C.ebra
Die TUHH wurde 1978 gegründet: hier wirken knapp hundert Professoren, 1500 Beschäftigte und rund 6000 Studierende.
Die TUHH wurde 1978 gegründet: hier wirken knapp hundert Professoren, 1500 Beschäftigte und rund 6000 Studierende.

TUHH vorbildlich in Sachen Nachhaltigkeit

Christine Stecker ist die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Technischen Universität Hamburg. Die Universität engagiert sich vor allem bei dem Thema Verwendung von Recyclingpapier. Im Interview berichtet Christine Stecker inwiefern die Uni vorbildlich unterwegs ist und wo es intern noch Überzeugungsarbeit zu leisten gibt.

Christine Stecker ist Nachhaltigkeitsbeauftragte der TUHH.
Christine Stecker ist Nachhaltigkeitsbeauftragte der TUHH.

Wer gab den Anstoß für die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie 2012?

Unserem Präsidenten, Prof. Garabed Antranikian, war es ein besonderes Anliegen, die Nachhaltigkeitsaktivitäten der TUHH ganzheitlich zu stärken und strategisch auszubauen. In diesem Zuge wurde Ende 2012 eine neue Referentenstelle für Nachhaltigkeit („Nachhaltigkeitsbeauftragte“) geschaffen.

Inwiefern ist die Technische Universität in Hamburg zur nachhaltigen Beschaffung durch den Senatsbeschluss von 2008 verpflichtet?

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat in der Fortschreibung ihres Klimaschutzkonzepts festgelegt, dass in der Hamburger Verwaltung grundsätzlich nur Recyclingpapier mit dem "Blauen Engel" (Weißegrad 70 oder 80) eingesetzt werden darf. Abweichungen von diesem Grundsatz sind nur durch entsprechende innerdienstliche Regelungen zugelassen. Trotz dieses Beschlusses liegt Hamburg im Jahr 2014 mit einem Recyclingpapieranteil von knapp 76 Prozent im öffentlichen Bereich weiterhin unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 82 Prozent laut dem Papieratlas. Im Jahr 2009 hat die TUHH eine interne Verfügung verfasst, die wenige Ausnahmebereiche regelt, zum Beispiel für die Erstellung von Urkunden und Zeugnissen oder Ausdrucke auf Großformatdruckern.

Welche Reaktionen erhalten Sie auf Ihren konsequenten Weg in Richtung 100 Prozent Einsatz von Recyclingpapier?

Es war bisher nicht schwer, Kollegen sowie Studierende zum Einsatz von hochwertigen Recyclingpapieren zu überzeugen, wenn man kommuniziert, dass darüber 72 Prozent Energie sowie 83 Prozent Wasser weniger verbraucht werden und nur halb so viel CO2 freigesetzt wird – vom Holz ganz abgesehen. Die Papiere, die wir über die Rahmenvereinbarungen beziehen können sind darüber hinaus Cradle-to-Cradle-zertifiziert. Das aus dem Fluss entnommene Wasser zur Produktion wird beispielsweise sauberer wieder zurückgeführt. Das sollte nicht nur für die zahlreichen Wissenschaftler und Studierenden aus den Umwelt- und Energie-Ingenieurwissenschaften an der TUHH Anreiz sein, das eigene tägliche Handeln mit den wissenschaftlichen Ansprüchen in Einklang zu bringen. Den ersten Schritt machte wiederum unser Präsident, indem seine Geschäftsausstattung sowie TUHH-Publikationen wie das Magazin Spektrum auf Recyclingpapier umgestellt wurden. Die meisten glaube ich, haben das vermutlich nicht bemerkt, denn die ausgewählten Papiere haben schon lange nichts mehr mit dem grauen Schnipselimage der 70er Jahre zu tun. Im Sommersemester 2014 folgten zwei große Bereiche mit über zwei Millionen Blatt Papierverbrauch pro Jahr: die Skripteproduktion im Campus-Shop und die Standarddruckaufträge für Studierende im Rechenzentrum. Neben dem Willen auf umweltfreundliche Varianten umzusteigen, gab es zunächst technische Bedenken, die nach Testläufen ausgeräumt waren. Und natürlich geht es auch darum, den ungebremsten Papierhunger durch Sensibilisierung einzudämmen.

In welchem Spannungsfeld befinden Sie sich, wenn es um das Thema Papierverbrauch geht?

Das Umweltbundesamt und die Initiative Pro Recyclingpapier kürten uns im Jahr 2013 zu den Vorreiteruniversitäten im Bereich „Grüner beschaffen“ aufgrund eines Recyclingpapiereinsatzes größer 50 Prozent. 2014 haben wir durch die kontinuierlichen Umstellungen mittlerweile gut 80 Prozent erreicht. Das Magazin Unicum titelte in seiner Ausgabe 5/2014 gar „Papierrevolution auf dem Campus“. Die Revolution wäre meines Erachtens dann perfekt, wenn wir gar kein Papier mehr benötigen. Zu Recht fragen Studierende nach, welche Option nachhaltiger ist: auf Papier zu drucken oder elektronische Downloads auszulösen. Jede Option hat Konsequenzen und am Nachhaltigsten wäre sicherlich, auf beides zu verzichten. Das ist für eine Wissensgesellschaft natürlich unsinnig. Wer jedoch beginnt sich solche Fragen zu stellen, ist der Idee der Nachhaltigkeit auf die Spur gekommen, gilt es doch den aktuell intelligentesten Weg zu finden. Angesichts der großen Herausforderungen mehr globale Gerechtigkeit zu erreichen und die lebensnotwendigen Ökosysteme nicht weiter zu zerstören, sollte das Verwenden umweltfreundlicher Büropapiere, mit denen kein Qualitätsverlust einhergeht, längst selbstverständlich sein.

Die Institute der Uni beschaffen unabhängig, gibt es Bestrebungen die Beschaffung zu zentralisieren?

Es gibt bereits eine zentrale Beschaffung von Büroverbrauchsmaterialien für die allgemeinen Verwaltungsbereiche inklusive der Bestückung zentraler Kopierer. Hier wird seit Langem Recyclingpapier eingesetzt. Bei anderen Büroverbrauchsmaterialien können wir noch besser werden, zum Beispiel indem umweltfreundliche Varianten ganz oben in der Bestellmaske stehen und entsprechend gekennzeichnet sind. Auf die Frage, ob mehrere Varianten oder aber konsequent nur noch die jeweils umweltfreundlicheren vorgehalten werden sollen, haben wir noch keine abschließende Antwort gefunden. Hamburg wird hier durch strengere Beschaffungsvorgaben die Entscheidung vermutlich schon bald erleichtern. In den 64 wissenschaftlichen Instituten beschaffen die Sekretariate weiterhin eigenständig. Das macht es einerseits schwierig, ein Gesamtbild für die TUHH zu bekommen und andererseits löst es vielfältigen Informations- und Sensibilisierungsbedarf aus. Würden Büropapiere und bestimmte Verbrauchsmaterialien wie Briefumschläge, Blöcke oder ähnliches zentral vorgehalten, hätte das verschiedene Vorteile: Papiere würden standardmäßig in Recyclingqualitäten beschafft und sachgerecht gelagert. Gebindegrößen und Mindestabnahmemengen würden kein Problem darstellen. Ein kleines Institut kann mit einem tausender Pack Briefumschläge momentan kaum vermeiden, dass die letzten Umschläge nicht mehr kleben und dann weggeworfen werden. Diese Empfehlung unseres Nachhaltigkeitsrates muss organisatorisch noch entschieden werden.

In welcher Form werden Sie hier Überzeugungsarbeit leisten können?

Das Bild, das sich aus der Umfrage in den Instituten ergeben hat, ist sehr unterschiedlich ausgefallen. Ich bin überzeugt, dass dies nicht am Willen sondern an Informationsdefiziten oder schlicht langjährigen Gewohnheiten liegt. Seltsamerweise halten sich die Vorurteile gegenüber Recyclingpapieren bezogen auf technische Parameter wie zum Beispiel der Archivierbarkeit hartnäckig. Das Umweltbundesamt hat vor Kurzem erneut darauf hingewiesen, dass Recyclingpapiere den DIN-Anforderungen in höchstem Maße entsprechen und zwar seit 25 Jahren. Wenn Sie mit den Menschen ins Gespräch kommen, bewegt sich etwas. Es wäre meiner Einschätzung nach falsch etwas gänzlich top down umsetzen zu wollen. Deswegen plane ich in diesem Jahr mit den beschaffenden Stellen in Infoworkshops zusammenzukommen, um Vorreiter berichten zu lassen. Eine erkenntnisreiche Übung ist es, wenn Sie unterschiedliche Papiere auf einem Tisch ausbreiten und die Anwesenden bitten, diese in die Kategorien Recycling und Frischfaser zu sortieren. Der Aha-Effekt ist enorm, wenn man anschließend verrät, dass alle sorgsam verteilten Papiere zu hundert Prozent Recyclingvarianten sind. Im Idealfall erreichen wir die angestrebten hundert Prozent Recyclingpapier noch in diesem Jahr.

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