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Die Studienergebnisse zeigen: "Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, sind motivierter und leistungsfähiger. (Grafik: Fraunhofer IAO, Studie Office Analyitcs, 05/17)
Die Studienergebnisse zeigen: "Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, sind motivierter und leistungsfähiger. Zum Vergrößern auf das Bild clicken. (Grafik: Fraunhofer IAO, Studie Office Analyitcs, 05/17)

"Büro der Zukunft": Der Wandel nimmt Fahrt auf

Wie wir künftig arbeiten, darüber wird viel diskutiert. Das Stuttgarter Fraunhofer IAO forscht in seinem Verbundprojekt "Office 21" seit vielen Jahren zu dem Thema. Wir sprachen mit Mitja Jurecic über den aktuellen Stand der Dinge.

Mitja Jurecic ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im  Competence Center  "Workspace Innovation"  des Fraunhofer IAO
Mitja Jurecic ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Competence Center "Workspace Innovation" des Fraunhofer IAO.

Das Fraunhofer Institut AO erforscht mit seinen Forschungspartnern  im Office 21 Netzwerk die Zukunft der Wissens- und Büroarbeit. Welches sind die wichtigsten Trends bei der Büroarbeit, auf die sich Unternehmen einstellen sollten?

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangen Jahren stetig verändert, doch der Wandel nimmt mit der Digitalisierung und dem technologischen Wandel nochmal richtig Fahrt auf. Mit der Einführung von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ist es möglich, von nahezu jedem Ort sowie unterwegs zu arbeiten. Hier stehen wir aber erst am Anfang: Cloud-Technologien, das Internet der Dinge, die Künstliche Intelligenz werden das Arbeiten weiter verändern. Die Büroarbeit verschiebt sich von stabilen Abwicklungsprozessen und standardisierten Routinetätigkeiten hin zur Wissensarbeit mit komplexen und dynamisch veränderten Aufgaben. Weiterhin stellt der weltweite Wettbewerb Unternehmen vor die Herausforderung, die Effizienz, Innovationsfähigkeit und Kreativität zu steigern. Unternehmen werden deutlich agiler, also wandlungsfähiger und flexibler sein müssen als bisher, um den dynamischen Wandel zu meistern und somit weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.

Stichwort Gesundheit: Derzeit sprechen alle Experten aufgrund des Fachkräftemangels und der wachsenden Zahl an älteren Arbeitnehmern von der wichtigen Rolle des Themas "Gesundheit im Büro". Welchen Stellenwert wird das Thema Ihrer Ansicht nach im Büro der Zukunft tatsächlich einnehmen?

Ich würde die Gesundheit weiter fassen und eher von Human Factors sprechen, also die Berücksichtigung von psychischen, kognitiven und sozialen Einflussfaktoren. Die sogenannten weichen Faktoren haben im letzten Jahrzehnt stark zugenommen und rücken auch im Zeitalter der digitalen Transformation weiter in den Fokus. Der Fachkräftemangel, die Zunahme an Eigenverantwortung und Selbstorganisation verstärken dabei den Wunsch nach mehr Flexibilität und Wohlbefinden im Arbeitsleben. Der Mensch und seine Bedürfnisse sowie individuelle Arbeits- sowie Lebensstile werden deutlich stärker als bisher berücksichtigt werden müssen. Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, sind motivierter und leistungsfähiger. Das bestätigen ganz klar unsere Studienergebnisse. Somit profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber von einer gesunden und nutzerorientierten Bürogestaltung.

Gerade hat das Fraunhofer IAO eine Studie zum Thema "Corporate Coworking" veröffentlicht – was versteckt sich hinter dem Begriff und welches sind die wichtigsten Erkenntnisse?

Die aktuelle Studie "Corporate Coworking" knüpft an die vorherige Studie "Faszination Coworking" an. Zunächst ging es um die Frage, wie und warum die ersten Coworking Spaces überhaupt entstanden sind. In einem zweiten Schritt haben wir uns näher mit der Charakteristik des Coworking befasst. Coworking Spaces haben vor allem das Ziel, unabhängige Wissensarbeiter auf besondere Weise zu beflügeln. Coworking Spaces unterscheiden sich zum Beispiel durch Größe, Kundenstruktur, Ambiente und Motivation der Betreiber. Aber in einer ausführlichen Analyse konnten wir aufzeigen, dass sich beim Coworking die Merkmale Struktur, Community sowie Freiheit und Unabhängigkeit in einzigartiger Weise ergänzen. Hier schließt sich die Frage an, wenn Coworking so gut gelingt, inwieweit und auf welche Art Unternehmen von dieser neuen Arbeitsweise profitieren können. In der aktuellen Studie "Corporate Coworking" konnten wir im Rahmen einer ausführlichen Analyse neun Modelle identifizieren, die in der Studie ausführlich erläutert werden: Untervermietung, Raus aus dem Alltag, Einmietung, Sponsoring, Ideenschmiede, Accelerator, Imitation, Coworking statt Home Office und Coworking zur Weiterbildung.

www.iao.fraunhofer.de

 

 

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