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Herbert Geis: "Von April 2015 bis heute ging es für den Preis von Büropapier im Durchschnitt um 15 Prozent nach oben. Das Ende der Fahnenstange ist aber vermutlich noch nicht erreicht."
Herbert Geis: "Von April 2015 bis heute ging es für den Preis von Büropapier im Durchschnitt um 15 Prozent nach oben. Das Ende der Fahnenstange ist aber vermutlich noch nicht erreicht."

Leichtgewichte im Kommen: Herbert Geis von Antalis im Gespräch über 75-Gramm-Papiere

Die wachsende Nachfrage für nachhaltige Papiere mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis verleiht dem 75-Gramm-Segment neuen Schwung – zu Recht, findet Herbert Geis, Commercial Director beim Großhändler Antalis.

Herr Geis, Büropapiere mit einem Flächengewicht von 75 g/m2 gehören immer noch zu den Nischenprodukten im deutschen Markt. Weshalb ist das so?

Deutschlands Kundschaft ist konservativ. Es halten sich hartnäckig Vorbehalte. Dabei bin ich davon überzeugt: Wir könnten von einem Tag auf den anderen alle 80-Gramm Papiere durch 75-Gramm-Papiere ersetzen – und es gäbe nicht einen Papierstau mehr. Die meisten Anwender im Büro würden es wahrscheinlich gar nicht bemerken, dass sie auf einem anderen Papier drucken, denn die 75-Gramm-Papiere stehen in sämtlichen technischen Eigenschaften dem Standard-80-Gramm-Papier in nichts nach.

Also gibt es bei Laufeigenschaften, bei Weiße und Volumen keine Unterschiede?

Nehmen Sie beispielsweise unsere Marken "Data Copy" oder "Pioneer" 75 g/m2. Bei den entsprechenden Pendants mit einer Standard-Grammatur von 80 g/m2 werden Sie bei allen technischen Eigenschaften kaum nennenswerte Unterschiede feststellen – die Verbrauchseigenschaften sind gleichwertig. Im Übrigen: Bei keinem anderen Produkt haben wir bei Antalis eine derart niedrige Reklamationsquote. Die Produkte im 75-Gramm-Segment sind bewährt und absolut hochwertig.

Wo sind denn die Vorteile für den Kunden?

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Kunde erhält für einen etwas geringeren Preis eine ebenbürtige Qualität, die zudem Vorteile bei den Umwelteigenschaften bietet, also beispielsweise weniger Materialeinsatz, weniger Wasser- und Energie­verbrauch. So verbraucht die Herstellung des 75-Gramm-Papiers bei der Produktion gegenüber einem Standard-80-Gramm-Papier etwa sechs Prozent weniger Ressourcen – und das bei gleicher Leistung. In anderen Märkten weltweit ist das 75-Gramm-Papier daher längst der Standard – etwa in Nord- und Südamerika. In Japan geht man sogar noch einen Schritt weiter: Dort sind Papiere mit einem Flächengewicht von zirka 70 g/m2 im Einsatz. Wir haben noch nie davon gehört, dass in Japan die Drucker und Kopierer deswegen Probleme hätten.

Was bietet denn momentan der Markt im 75-Gramm-Segment?

Das 75-Gramm-Papiersegment ist prädestiniert für den Verkauf von A- und B-Qualitäten. Mit ihnen wird das Potenzial, das diese Produkte bieten, am besten ausgeschöpft. Es gibt Produkte mit allen wichtigen Umweltzertifizierungen. Mittlerweile gibt es auch im Preiseinstiegssegment passende 75 g/m2-Angebote. Das heißt, wir können heute das gesamte Spektrum abdecken. Vor ungefähr zwanzig Jahren war die Auswahl noch eingeschränkt. Heute ist die Auswahl viel breiter, denn mittlerweile bieten alle bedeutenden Büro­papierhersteller 75 g/m2-Papiere in ihrem Portfolio an. 

Welche Endkunden sind Ihrer Erfahrung nach für einen Wechsel auf eine 75-Gramm-Qualität besonders aufgeschlossen?

Also die Behörden und öffentlichen Einrichtungen zählen sicherlich nicht dazu. Sie sind "recyclinggetrieben" und entsprechende Anforderungen schlagen sich unter anderem in den Ausschreibungen von Städten, Landkreisen und Bundes­behörden nieder. Doch bei gewerblichen Endkunden, im Mittelstand, auch bei Großverbrauchern, da stehen die Chancen gut, mit den oben genannten Argumenten den Kunden von 75 g/m2-Papieren zu überzeugen.

Im eigenen Green-Star-System von Antalis sind die 75-Gramm-Papiere "nur" mit vier von fünf Sternen ­ausgewiesen …

… Produkte, die mit dem EU-Ecolabel und FSC- oder PEFC-zertifiziert sind, zur Hälfte aus Recyclingpapier hergestellt wurden und deren Fabrikstandort ISO 14001 zertifiziert ist, erkennen Sie an den vier "Green Stars". Um fünf Sterne zu erhalten, müsste das Produkt zu 100 Prozent aus Recyclingfaser bestehen – da gibt es aktuell ein Produkt, das diese Anforderung erfüllt, nämlich das "Image Recycled High White" mit 147er Weiße. Vor dem Hintergrund einer Vielzahl unterschiedlicher Zertifizierungssysteme und Umweltlabel stellt das Green-Star-System für unsere Kunden eine gute Orientierungshilfe dar.

Wie bewerten Sie die Veränderungen im Büropapier-Sortiment bei Antalis in den zurückliegenden Jahren?

Wir sind mit unseren fünf Marken gut aufgestellt. Mit „­Xerox“ haben wir die Nummer-Eins-Marke in Westeuropa im Portfolio, „Image“ – unsere Eigenmarke – deckt eine breite Palette an Anforderungen ab, „Data Copy“ haben wir im vergangenen Jahr von Mestä Board übernommen – ebenfalls eine Top-Marke im A-Segment, die wir nun weiterentwickeln wollen, „Pioneer“ aus dem Hause The Navigator Company – die wir exklusiv vertreiben – und schließlich die Marke „HP“ als OEM-Brand. Wir fokussieren uns bewusst nur auf diese fünf Marken, das heißt auch, wir konzentrieren uns auf qualitative Zuwächse bei diesen Marken, um sie langfristig zu stärken. Auch wenn das bedeutet, auf andere Marken zu verzichten. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass wir ein Portfolio anbieten können, das übersichtlich ist und zugleich sämtliche Anforderungen des Marktes abdeckt.

Im vergangenen Jahr haben die Hersteller die Preise deutlich angezogen. Wie schätzen Sie die Entwicklung beim Preis in diesem Jahr ein?

Von April 2015 bis heute ging es für den Preis von ungestrichenen Papieren/Büropapier im Durchschnitt um 15 Prozent nach oben. Das Ende der Fahnenstange ist aber vermutlich noch nicht erreicht. Allein, wenn man bedenkt, dass die Auslastung in den europäischen Papierfabriken im vergangenen Jahr auf rund 93 Prozent gestiegen ist, kann man verstehen, warum einige Analysten eine „Unterversorgung“ in Teilen des Papiermarktes erwarten. Dazu kommt, dass der Export aus Europa in Dollarmärkte für die Papierhersteller momentan lukrativ ist und dementsprechend Mengen in Europa fehlen – Faktoren, die den Preis eher weiter nach oben treiben könnten.

Eine Lücke, die asiatische Hersteller füllen werden?

Wahrscheinlich nicht. Die Strafzölle, die besonders für eine Reihe von asiatischen Herstellern in den USA festgelegt wurden, dürften eher dazu führen, dass die Exporte von amerikanischen Herstellern weiter zurückgehen werden. Es ist zu vermuten, dass sich die betroffenen asiatischen Hersteller stärker in anderen dollarzahlenden Märkten engagieren werden.

Wie fällt Ihre Prognose für den Büropapiermarkt insgesamt aus?

Die Talsohle dürfte erreicht sein. Aber mit großen Wachstumssprüngen rechnen wir auch nicht. Im Office-Bereich schätzen wir das Volumen inklusive Recyclingqualitäten in Deutschland auf zirka 730 000 Tonnen pro Jahr.

www.antalis.de 

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