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Den Überblick behalten

Bis jetzt existiert das seit Jahrzehnten propagierte papierlose Büro nur in den Köpfen einiger Menschen. Papier und damit der Papiereinkauf spielen also eine große Rolle für Unternehmen sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht. Bei Antalis, einem Großhändler für Papier und Verpackungsmaterial, steht das Thema Nachhaltigkeit besonders im Fokus.

Grundsätzlich hat Papier laut Nicole Werner, Manager Corporate Social Responsibility bei Antalis, in der Öffentlichkeit nicht den allerbesten Ruf. Die Vorwürfe sind, dass die Papiernutzung den Wald vernichte und die Herstellung Energie und Wasser verbrauche. Nicole Werner beschrieb auf der Procurement-Veranstaltung während der Paperworld in ihrem Vortrag „Unternehmerische und soziale Verantwortung beim Papiereinkauf“ den so genannten ökologischen Rucksack von Papier. Demnach werden für eine Tonne Papier drei Tonnen Holz, 65 Tonnen Wasser, dreißig Tonnen Luft und drei Tonnen Chemikalien verwendet. So kommt insgesamt für ein Kilogramm Papier ein ökologischer Rucksack von hundert Kilogramm zusammen. Wobei die Antalis-Expertin betonte, dass die Zahlen nur Näherungswerte sind und natürlich von dem technischen Standard der jeweiligen Fabrik abhängen. Der ökologische Rucksack von Recyclingpapier unterscheidet sich zusätzlich, da bei der Produktion Altpapier verwendet wird.

Nicole Werner ist Manager Corporate Social Responsibility bei Antalis.
Nicole Werner ist Manager Corporate Social Responsibility bei Antalis.

Im weiteren Verlauf stellte Nicole Werner die Argumente vor, die es aus ihrer Sicht rechtfertigen, Papier entgegen seines schlechten Rufs als nachhaltiges Produkt zu bezeichnen. In erster Linie geht es um den wichtigsten Rohstoff, das Holz: dieses ist natürlich und nachwachsend und auch die Wälder werden in der Regel nachhaltig bewirtschaftet. Papier selbst ist außerdem recyclingfähig und kann mehrmals für die Herstellung neuer Produkte wiederverwendet werden. Nicht recycelbare Papierprodukte sind darüber hinaus energetisch nutzbar und dies mit sehr niedrigen fossilen CO2-Emissionen.

Umweltfreundlich oder nicht?

Die Antalis-Umwelt-Expertin beschrieb weitere Aspekte, die Papier zu einem umweltfreundlichen Produkt machen können. Hierzu zählen an erster Stelle die Art und Herkunft des Rohstoffes, hinzu kommt der Ressourcenverbrauch und letztendlich der gesamte Herstellungsprozess. Außerdem spielen die Fragen, wie das Endprodukt zusammengesetzt ist, wie es mit seiner Recyclingfähigkeit bestellt ist und die Umweltfreundlichkeit von Transport und Logistik eine Rolle.

Den Umweltzeichen, die eigentlich Orientierung für Papiereinkäufer bieten könnten, liegen unterschiedliche Kriterien zugrunde. Die wichtigsten europäischen Labels sind das EU-Eco-Label und das Österreichische Umweltzeichen, die beide Bewertungskriterien für den gesamten Lebenszyklus enthalten. Den „Blauen Engel“ gibt es nur für Papier, desssen Papierfasern zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen. FSC und PEFC zertifizieren wiederum verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung und den Zellstoff. Einen Überblick im Dickicht dieser unterschiedlichen Labels zu behalten, ist für Einkäufer sicher nicht einfach.

Ein „Paper Profile“ listet übersichtlich auf einer Seite alle wichtigen Parameter auf.
Ein „Paper Profile“ listet übersichtlich auf einer Seite alle wichtigen Parameter auf.

Abhilfe, so Nicole Werner, könne hier das „Paper Profile“ schaffen. „Paper Profile“ ist eine produktbezogene Umwelt-information, die von führenden europäischen Papierherstellern gemeinsam entwickelt wurde. In den frühen 90er Jahren begannen europäische Papierproduzenten mit der Entwicklung von Umweltdeklarationen. Während dieses Entwicklungsprozesses wurden unter anderem auch Papierindustrieverbände und Distributoren involviert. Ungefähr zehn Jahre später entstand das „Paper Profile“-Konzept, das ursprünglich von neun Herstellern unterstützt wurde. Im Laufe der Jahre verbesserte man anhand des Feedbacks kontinuierlich die Deklaration. Heute nehmen fast zwanzig Unternehmen am „Paper Profile“-System teil: Arctic Paper, Burgo Group, Clairefontaine, Holmen Paper, International Paper, Kotkamills, LECTA, Lenzing Papier, Mondi AG, Metsä Board, Norske Skog, Papierfabrik Scheufelen, Portucel Soporcel, Sappi, SCA Forest Products, Stora Enso, UPM und VIDA Paper. Sie veröffentlichen für ihre Papiere kompakte Umweltprodukterklärungen in standardisierter Form nach festgelegten Erhebungsrichtlinien. Das „Paper Profile“ enthält Daten zu den wichtigsten Umweltaspekten der Zellstoff- und Papierherstellung, zur Produktzusammensetzung, hierzu zählt etwa der Anteil des zertifizierten Holzes, der Fasermix, Pigmente und Füllstoffe und der Feuchtigkeitsgehalt. Weiterhin werden die in den Produktionsstandorten eingesetzten Umweltmanagementsysteme aufgelistet. Ein wichtiger Aspekt sind außerdem die Umweltparameter: Hier finden sich Angaben über CO2-, Wasser- und Luftemissionen, Deponieabfälle und den Fremdstromverbrauch. Zusätzlich ist ein Ansprechpartner im Unternehmen angegeben. Das „Paper Profile“ wird einmal im Jahr erfasst und ermöglicht Transparenz und Vergleichbarkeit der Daten.

Leichtgewichte aus Papier

Neben dem Recyclingpapier als umweltfreundlichem Produkt, treten zunehmend die so genannten Leichtgewichte unter den Papieren in Erscheinung. Während Papiere mit 75 Gramm bis 68 Gramm pro Quadratmeter laut Antalis in den USA und Japan bereits zum Standard gehören, steigt die Nachfrage in Europa erst mit Verzögerung. Nicole Werner führte in ihrem Vortrag aus, dass ein 70-Gramm-Papier gegenüber einem 80-Gramm-Papier eine Ressourceneinsparung von 12,5 Prozent hat. Für Einkäufer heißt es, den Blick in verschiedene Richtungen zu wenden, damit sie den Überblick in Sachen Papier behalten können.

www.antalis.de

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