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"Grünes" Büro im Fokus

Der „Green Office Day“ auf der Paperworld bot viele Informationen und Tipps, um Nachhaltigkeit und Umweltschutz am Arbeitsplatz zu fördern. Unter anderem stellten die Preisträger des Wettbewerbs „Büro & Umwelt“ 2011 ihre Konzepte vor.

Bei der Podiumsdiskussion debattierten Jussi Koch, Elmar Seizinger, Rainer Kant, Lutz Fähser, Peter Wohlleben und Dirk Teegelbekkers (v.l.n.r.)
Bei der Podiumsdiskussion debattierten Jussi Koch, Elmar Seizinger, Rainer Kant, Lutz Fähser, Peter Wohlleben und Dirk Teegelbekkers (v.l.n.r.)

Auf der Paperworld hatten Interessierte auch in diesem Jahr die Gelegenheit, sich gezielt zum Thema Umweltschutz am Arbeitsplatz zu informieren. Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.) führte dafür in Kooperation mit der Messe Frankfurt am letzten Messetag den „Green Office Day“ durch. Fachvorträge zum Thema Ressourcenverbrauch, nachhaltige Waldwirtschaft sowie Best-Practice-Beispiele der Hauptpreisträger des Wettbewerbs „Büro & Umwelt“ 2011 lieferten praxisbezogenes Know-how und Positivbeispiele für nachhaltiges Handeln im Büro.

Im Mittelpunkt der Vortragsreihe stand das Thema Holz. Ein beträchtlicher Anteil an Bürobedarf wie Möbel und Druckerpapier besteht aus dem natürlichen Rohstoff, doch bei der Herkunft und Verarbeitung solcher Artikel gibt es erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Nachhaltigkeitseffekte. Nachdem Ruth Lorenz von der Messe Frankfurt und Dieter Brübach, Vorstandsmitglied des B.A.U.M. e. V., den Thementag eröffnet hatten, schilderte Öko-Förster und Autor Peter Wohlleben eindringlich den aus seiner Sicht kritischen Zustand der einheimischen Wälder und übte Kritik an der klassischen Forstbewirtschaftung. Worauf sollten Unternehmen demnach achten, wenn sie die Möglichkeiten, ihren Papierverbrauch zu senken und gegebenfalls Recycling-Papier einzusetzen, schon ausgereizt haben? In den folgenden Vorträgen ging es darum, Gütesiegel vorzustellen, die Einkäufern Orientierung bei der Auswahl nachhaltig hergestellter Holz- und Papierprodukte aus Frischfaser, also Material aus frisch geschlagenen Bäumen, bieten sollen. Zunächst hatte Elmar Seizinger vom Verein Forest Stewardship Council (FSC) Gelegenheit, die gleichnamige Zertifizierung vorzustellen. Die Mitglieder des FSC kommen sowohl aus dem Umwelt-, Sozial- als auch Wirtschaftsbereich und haben in der Vergangenheit einen gemeinsamen Minimalstandard für die Art der Waldbewirtschaftung erarbeitet, der die entsprechenden Produkte entstammen. Dabei sollen sich Forstwirtschaft und Naturschutz gleichermaßen einbringen. Im Anschluss stellte Dirk Teegelbekkers das Zertifizierungs-Konzept des PEFC vor. Das PEFC-Gütesiegel, das wie das des FSC international vergeben wird, setzt unter anderem auf regional unterschiedliche Standards und verspricht, somit auf die Strukturen der jeweiligen Forstwirtschaft einzugehen. Die PEFC-Zertifizierung wurde vom Deutschen Forstwirtschaftsrat begründet und berücksichtigt unter anderem

die Interessen der Waldbesitzer. Auf andere Weise hatte sich das Zertifikat entwickelt, das anschließend von Dr. Lutz Fähser vorgestellt wurde. Der Forstamtsleiter des Stadtwalds Lübeck propagierte die These, der Wald liefere dann die besten ökonomischen Ergebnisse, wenn er ökologisch optimal funktioniere, wenn also möglichst wenig durch Menschen eingegriffen würde. Auf dieser Basis führte er 1994 beim Lübecker Forstamt das Konzept der „Naturnahen Waldnutzung“ ein. Es bewährte sich und wurde zwei Jahre später zur Grundlage der ersten deutschen Waldzertifizerung nach „Naturland e. V.“ Auch das FSC-Label basiert darauf. Es wurde inzwischen in vielen Großstadtwäldern eingeführt. In der anschließenden Diskussionsrunde, moderiert von Wald-Experte Rainer Kant, trafen die bisherigen Redner sowie Jussi Koch als Repräsentant des Papierherstellers Stora Enso aufeinander und lieferten sich einen engagierten Schlagabtausch. Debattiert wurde dabei unter anderem über das wahre Ausmaß und die Zukunftsperspektive der Plantagenwirtschaft sowie die Bedeutung und Sicherheit weitgehend unbewirtschafteter Flächen.

Aus der Praxis

Am Nachmittag hatten zwei der Sieger des Wettbewerbs „Büro & Umwelt“ aus dem Vorjahr die Gelegenheit, ihre Umweltschutz-Konzepte für den Arbeitsplatz vorzustellen. B.A.U.M. möchte mit dem Wettbewerb auf das hohe ökonomische und ökologische Einsparpotenzial aufmerksam machen, das in ressourcenschonendem, energieeffizienten Verhalten im Büro sowie einer nachhaltigen Arbeitsplatzgestaltung liegt und zeichnet jährlich in vier Kategorien entsprechende Unternehmen und Behörden aus.

In der Gruppe der Großunternehmen hatte die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den ersten Platz belegt. Der Umweltbeauftragte Roger Wolf berichtete, wie das Unternehmen mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen, beispielsweise dem Einsatz von Ökostrom, Recyclingpapier und Büromöbeln aus nachhaltiger Forstwirtschaft zur verantwortungsvollen Beschaffung beiträgt.

Anschließend sprach Peter Silberzahn von der Katholischen Kirchen- und Stiftungsverwaltung Horb am Neckar, Sieger im Bereich der nichtgewerblichen Einrichtungen. Er und seine Kollegen hatten den Wettbewerb im Jahr 2011 zum Anlass genommen, ihren Bürobetrieb auf Umweltfreundlichkeit zu prüfen und dessen Verbesserung kurzerhand zum eigenen Projekt erklärt. Anhand der abgefragten Kriterien konnten sie innerhalb von drei Monaten Punkt für Punkt optimieren. So sind dort inzwischen stromsparende Thin Clients anstatt kompletter PCs sowie energiearme Drucker und Bildschirme aufgestellt, um nur einige Punkte herauszugreifen. Die Bürogeräte werden nachts und am Wochenende komplett ausgeschaltet, die Heizung genauer kontrolliert und vorausschauend eingesetzt.

Nach diesen Beispielen aus der Praxis referierte Eva Ritter vom HCC Hessischen Competence Center über das Landesprojekt „Hessen: Vorreiter für eine nachhaltige Beschaffung“. Das Projekt- Team definiert derzeit produkt- und produktionsbezogene Nachhaltigkeits-Anforderungen für den Einkauf. Im Bereich Bürobedarf wurden bisher Kriterien für 16 Produktgruppen formuliert, beispielsweise für Ordner, Prospekthüllen, Farbstifte und Klebematerialien. Die Ergebnisse sollen Einkäufern aus dem öffentlichen Bereich als Arbeitshilfe dienen. Das Team des HCC arbeitet ebenfalls daran, eine Kommunikationsplattform für Einkäufer aufzubauen, auf der diese sich über Ideen und Erfahrungen zum Thema Nachhaltigkeit austauschen können.

Im letzten Vortragsblock des „Green Office Day“ kamen Unternehmen der Papier- und Schreibwarenbranche zu Wort. Linda Wulff vom Papierhersteller M-Real ging auf die Rolle von Frischfasern für den Recycling-Kreislauf und ihre umweltverträgliche und energieschonende Gewinnung in Skandinavien ein. Zu guter Letzt brachte Ulrich Weidle von Staples Advantage die Perspektive des Handels ins Spiel: Er führte aus, wie das Handelsunternehmen Einkäufer mit einem eigenen Öko-Label, „EcoEasy“, bei der Orientierung im Zertifizierungsdschungel unterstützen will. Beim Kauf bestimmter Produkte spendet Staples zudem an die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

www.buero-und-umwelt.de

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