C.ebra

Eine sichere Sache

Der „E-Postbrief“ der Deutschen Post kann selbst Monate nach seiner Einführung noch nicht recht überzeugen. Es fehlt an klaren Vorteilen. Die herkömmliche Geschäftspost per Brief ist daher noch längst kein Auslaufmodell.

Die klassische Briefpost steht seit der massenhaften Verbreitung der E-Mail und seit der Einführung neuer Modelle als zeitgemäßes Kommunikationsmittel infrage. Und tatsächlich sinkt das Postvolumen seit einigen Jahren. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die klassische Briefpost unverändert ihren festen Platz in einer hochkommunikativen Welt hat. Wesentliche Ursache für das rückläufige Briefpostvolumen ist die in den letzten Jahren gesunkene Anzahl verschickter Papierrechnungen.Rechnungen werden in zunehmendem Maße auf elektronischem Weg zugestellt, obwohl die Verbraucher nachweislich Papierrechnungen bevorzugen. Unrühmliche Vorreiter dieser Entwicklung waren Telefongesellschaften, die ihren Kunden für Rechnungen per Post einen Aufschlag abgenommen haben und sie somit schnell zur Umstellung auf elektronische Rechnungen gedrängt haben. Eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2010 belegt, dass dies nicht dem Verbraucherwillen entsprach.

Bequem und sicher: Umfragen belegen die Präferenz der Kunden für die Rechnung per Brief.
Bequem und sicher: Umfragen belegen die Präferenz der Kunden für die Rechnung per Brief.

In der Studie haben sich immerhin mehr als 75 Prozent der Deutschen über 18 Jahren für die Zustellung ihrer Rechnungen auf dem Postweg ausgesprochen. Nur rund 20 Prozent wollen ihre Rechnung wirklich auf elektronischem Weg erhalten. Gleichwohl wird der Wille des Kunden von vielen Rechnungsversendern ignoriert, da sich die Gesellschaften durch den elektronischen Versand Kostenvorteile versprechen. Ganz anders stellt sich die Situation beim Versand von vertraulichen oder sicherheitsrelevanten Dokumenten dar. „Unverändert wird dieser Bereich von der klassischen Briefpost dominiert“, betont der Pressesprecher des Verbandes der Briefumschlaghersteller (VDBF) Udo Karpowitz.

„Trotz eines Millionenaufwands für Werbung in unterschiedlichen Medien haben weder ,De-Mail‘ noch ‚E-Post‘ bisher einen nennenswerten Marktanteil erringen können.“ Die Sicherheit des klassischen Briefes könne von den neuen elektronischen Angeboten auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung bei Weitem nicht erreicht werden. Gar eine Renaissance des klassischen Briefes erwarten Experten im Bereich der klassischen Werbung, denn längst haben E-Mail- und Telefonwerbung beim Konsumenten ihren Reiz verloren. Hingegen werde der Konsument mit gut gemachten Werbebriefen fast immer erreicht. Dies umso mehr, als seit Neuestem über aufgedruckte QR-Codes eine direkte Verknüpfung des Werbebriefes mit Web-Seiten möglich wird. Auch die werbliche Nutzung von Freiflächen auf Rechnungen und Rechnungs-Kuverts („Transpromo“) lassen den Briefumschlag für Werbetreibende deutlich an Attraktivität gewinnen. Ein wachsender Briefpostbereich ist auch der Sektor kleiner und mittlerer Kunden. Allein in Deutschland wurden in den letzten drei Jahren mehr als 40 000 neue Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern gegründet. Gerade im Bereich dieser Unternehmensgröße werden erfahrungsgemäß überdurchschnittlich viele Briefe verschickt. Als typisches Beispiel sei hier die klassische Handwerker-Rechnung genannt, die sicher auch in Zukunft unverändert auf dem Postweg zugestellt wird. Aber auch das Internet ist nicht notwendigerweise ein Feind der klassischen Briefpost. Letztlich müssen auch Online-Einkäufe bei Ebay oder Amazon über den klassischen Postweg zum Kunden.

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