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Mehr als die „IT-Brille“

„Bei der Auswahl eines Produkts ist ein Test durch nichts zu ersetzen – außer durch noch mehr Tests“, findet Oliver Kluge, Leiter des IT-Qualitätsmanagements der Flughafen München GmbH (FMG). Das gilt auch für Drucker und Verbrauchsmaterialien.

Das Team der Flughafen IT betreibt großen Aufwand, um Produkte zu finden, die den hohen Anforderungen genügen: Produktmanager Klaus Baetke, Oliver Kluge, technischer IT-Qualitätsmanager, und die beiden System Engineers Marc Pröpper und Thomas Stömmer (v.l
Das Team der Flughafen IT betreibt großen Aufwand, um Produkte zu finden, die den hohen Anforderungen genügen: Produktmanager Klaus Baetke, Oliver Kluge, technischer IT-Qualitätsmanager, und die beiden System Engineers Marc Pröpper und Thomas Stömmer (v.l.)

Das IT-Qualitätsmanagement des Flughafen München testet Produkte vor der Beschaffung sehr intensiv. Welche Erfahrungen haben Sie bei Druckerverbrauchsmaterialien, ganz gleich, ob vom Original-Hersteller oder von Alternativanbietern, gesammelt?

Die Flughafen-IT prüft, ob die Produkte den Anforderungen genügen. Beim Toner greifen wir hier auf das Original-Verbrauchsmaterial des Herstellers zurück. Bei den wenigen noch vorhandenen Tintenstrahldruckern wird bei der Tinte analog verfahren. Beim Papier gab es groß angelegte Produkttests, um das reibungslose Zusammenspiel mit den Geräten unseres Druckerlieferanten zu gewährleisten. Trotz DIN-Normung gibt es recht große zulässige Schwankungen, beispielsweise bei der Grammatur, sodass ein Test durch nichts zu ersetzen ist. Wir kombinieren dies mit Tests zur Bewertung der Drucker selbst, damit wir ein realistisches Bild davon bekommen, wie gut ein Papier läuft und zugleich, welchen Entstöraufwand ein Stau produziert. Wir verfolgen dabei die Strategie, dass ein Anwender auch in der Lage ist selbst zu entstören.

Zum Testen verwendet FMG das Druckertestverfahren des Linux-Magazins, die Testdokumente sind im Internet veröffentlicht. Tinte spielt in der FMG nur eine Nischenrolle und wird immer weiter zurückgedrängt. Natürlich beobachten wir aufmerksam die Entwicklungen im Ganzseitendruck mit Tinte, sehen dies aber momentan noch nicht ebenbürtig mit aktuellen Laserdrucksystemen. Alternativtoner haben wir bislang noch keine eingesetzt, da der Toner über ein Klick-Modell im Preis inkludiert ist. Sollten wir eines Tages Alternativ-Toner einsetzen, würden wir diese den gleichen rigorosen Reichweiten-Tests unterziehen, wie die Drucker selbst.

Inwieweit spielen CSR- und Nachhaltigkeits-Kriterien bei der Beschaffung eine Rolle?

CSR spielt bei der Beschaffung eine immer größere Rolle. Bereits im Vorgriff auf kommende TCO- und andere Standards, die CSR mit berücksichtigen, fragen wir bei Beschaffungen Rahmenbedingungen ab. Ökologische Verträglichkeit ist der FMG sehr wichtig. Rücknahme- beziehungsweise Recyclingkonzepte werden bei uns mit betrachtet und voraussichtlich mit dem nächsten Rollout eingeführt. Wichtig ist auch zu berücksichtigen, welche Arten von Abfällen entstehen. Schon Plastikabfall gilt es zu vermeiden, aber bei manchen Drucksystemen am Markt fallen ja auch andere Substanzen an, beispielsweise wenn Bildtrommeln entsorgt werden müssen. Beim Toner wird Recyclingmaterial künftig sicher eine größere Rolle spielen, soweit die Hersteller dies anbieten werden. Beim Papier hat die FMG bereits vor Jahren beschlossen, alles, außer externe Briefe und repräsentative Dokumente, auf Recyclingpapier zu drucken. Damit die Entscheidung pro Recyclingpapier nach außen hin sichtbar dokumentiert wird, haben wir uns bewusst für ein Recyclingpapier mit 80er Weiße, also einer nicht maximalen Weiße, entschieden.

Immer wieder sind Ultrafeinstäube und auch „Toner-Clones“, also billige Imitate aus Fernost, in der Diskussion. Welche Rolle spielen diese Themen für Sie und wie schützen Sie Ihre Anwender vor möglichen Auswirkungen und Gefahren?

Die FMG beobachtet das Thema Ultrafreinstäube intensiv. Aufgrund des sehr großen Laboraufwands können wir keine eigenen Messungen vornehmen, sind aber zu der Auffassung gekommen, dass unser Druckerlieferant das Thema im Griff hat. Die bisherigen Veröffentlichungen legen ohnehin eher nahe, dass es sich mehr um ein Papier-, als um ein Tonerstaubproblem handeln könnte. Aber sicherlich muss dieses Thema auch weiterhin verfolgt werden.

Die Problematik von Produktimitaten ist außerordentlich ernst zu nehmen. Gerade hiervon wird, schon aufgrund des Preisdrucks, eine erhöhte Schadstoffbelastung für den Anwender ausgehen, in Extremfällen vielleicht sogar eine Gefährdung. Von daher ist es wichtig, keiner Produktfälschung aufzusitzen. Wir sehen uns allerdings vor dieser Gefahr als gut geschützt, da wir hier mit einem Lieferanten zusammenarbeiten, der wiederum mit dem Hersteller eng kooperiert.

Worauf sollten Einkäufer bei der Beschaffung von Tinte und Toner und der Auswahl des Lieferanten achten?

Wichtig ist, dass ein Lieferant auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden eingeht. Jeder Kunde ist anders. Vielleicht ist nicht jeder mit so speziellen Anforderungen versehen wie der Flughafen München, aber „Sonderlocken“ finden sich eigentlich immer und überall. Es gibt weder den optimalen Drucker, noch den perfekten Service. Entscheidend ist, wie gut ein Anbieter das geforderte Spektrum abdecken kann und wie er mit Abweichungen umgeht. Egal ob dies durch besondere Zutrittsanforderungen, oder durch geforderte Produkteigenschaften ausgelöst wird oder durch simple Zwischenfälle.

Wir arbeiten alle mit Menschen, es geschehen also Fehler. Bei der Auswahl eines Produkts ist ein Test durch nichts zu ersetzen – außer durch noch mehr Tests. Wie viel Arbeit man da reinsteckt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei der FMG testeten wir mit einem sehr hohen Aufwand. Ein Team von fast zwei Dutzend Leuten testete reihum die Eignung mehrerer Drucker verschiedener Anbieter auf die Eignung für das jeweilige Gewerk.

Die Flughafen-IT setzt mehrere hundert verschiedene Softwareprodukte ein, und die Ausgabeanforderungen reichen vom Arbeitsplatzdrucker bis hin zum Multifunktionsgerät am Gang, vom Sekretariat über die Grafik bis zum Auftragskartendrucker in der Disposition. Nach über 220 000 Testseiten, die wir werbeneutral bedrucken und anschließend wegen der freien Rückseiten an Kindergärten im Umkreis zum Malen verteilen, haben wir herausgefunden, wer am besten zu uns passt.

In kleineren Unternehmen kommt man sicher mit weniger Tests aus, aber ganz darauf zu verzichten, rate ich niemandem. Zum Abschluss der vielleicht wichtigste Tipp: Binden Sie in Tests immer Ihre Kunden und Anwender ein, machen Sie auch „Panel“-Tests, um Usability zu bewerten. Laden Sie vor allem Ihre schwierigen Kunden, die Nörgler und Co. dazu ein. Sie werden sehen, zusammen mit diesen fallen Ihnen viel mehr wichtige Punkte ein, als man durch die „IT-Brille“ sehen kann.

www.munich-airport.de

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