C.ebra

Wo stehen wir?

Den ersten Platz des Wettbewerbs „Büro & Umwelt 2011“ bei den Großunternehmen belegt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Sitz in Eschborn. Einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen Roger Wolf und Ernst Hustädt.

"Vermeiden, substituieren, kompensieren" - an diesem Grundsatz sollte sich die umweltfreundliche Beschaffung orientieren, meint Roger Wolf.
"Vermeiden, substituieren, kompensieren" - an diesem Grundsatz sollte sich die umweltfreundliche Beschaffung orientieren, meint Roger Wolf.

Für die GIZ, als Unternehmen der Internationalen Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung, ist die betriebliche Umweltpolitik und damit auch das Umweltmanagement Teil des Unternehmensleitbildes. Die GIZ ist als „Global Compact“-Mitglied sozialen und Umweltprinzipien verpflichtet. Der Standort Eschborn hat bereits am Ökoprofit-Projekt für ein profitableres Umweltmanagement teilgenommen. Roger Wolf, der Umweltbeauftragte der GIZ erklärt, dass die Umsetzung der nachhaltigen internen Ziele zudem nicht nur von den Auftraggebern und der Öffentlichkeit erwartet werde, sondern auch der Zufriedenheit, der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter diene. Schlüssel zum Erfolg ist ein „Green Procurement“-Konzept, das unter Beteiligung des Umweltbeauftragten, des Kollegenkreises sowie durch die Führungskräfte getragen werde und auf ein gewisses ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter baue. Bei der aktiven Umsetzung im Unternehmen spielt diese sogenannte „Umweltinitiative der GIZ“, die aus dem Mitarbeiterkreis hervorgegangen ist, eine wichtige Rolle. Die Arbeit der Initiative wird als positiv für das Erreichen der Unternehmensziele bewertet und vom Vorstand und der Personalabteilung unterstützt. Mitgemacht beim B.A.U.M.-Wettbewerb „Büro & Umwelt“ hat Wolf, um die Position des Umweltengagements im Büroumfeld der GIZ im Vergleich mit anderen Unternehmen und Institutionen herauszufinden. Immerhin arbeiten alleine in Deutschland über 3000 Mitarbeiter an Büroarbeitsplätzen für die GIZ, an den beiden Unternehmenssitzen in Bonn und in Eschborn bei Frankfurt am Main, sowie in Berlin und in 16 weiteren deutschen Städten in fast allen Bundesländern. Außerdem hat das Unternehmen etwa 90 Standorte weltweit – entweder in gemeinsamen Landesbüros der deutschen Entwicklungszusammenarbeit oder mit eigenen Büros. Insgesamt sind es rund 17 000 Mitarbeiter, die alle, zumindest teilweise, auch in Büros arbeiten. Neben den Ressourcen im Büro ist das Thema Mobilität ein wichtiger Faktor für den Umweltmanager. Dazu gehört neben einem Verkehrskonzept für die Pendler auch das Thema Dienstreisen. Wenn möglich wird versucht, diese durch Videokonferenzen zu ersetzen, daher gibt es alleine am Standort Eschborn sieben komplett ausgestattete Konferenzräume. Für die Beschaffungsabteilung bestehen wie so häufig im öffentlichen Bereich Zielkonflikte in Bezug auf das nachhaltige Leitbild und die Pflicht sorgfältig mit den zum Großteil öffentlichen Geldern umzugehen. Es werde versucht, soweit wie möglich über den Tellerrand der wirtschaftlichen Effizienz zu schauen und die Nachhaltigkeitsansprüche zu berücksichtigen. Dabei müsse von Fall zu Fall abgewägt werden, bei der Beschaffung von gepanzerten Fahrzeugen für den Einsatz in Afghanistan beispielsweise stehe der Schutz der Mitarbeiter im Fokus, nicht der geringe CO2-Ausstoß, beschreibt der Leiter der Abteilung Verträge, Einkauf und Logistik bei der GIZ, Ernst Hustädt, die herausfordernde Aufgabe. Der Schwerpunkt der Beschaffung für die GIZ liege in der Dienstleistungsbeschaffung, weniger in der Sachgüterbeschafftung, erläutert Hustädt weiter. Bei Ausschreibungen sei die GIZ an die VOL gebunden. Beim Bürobedarf beispielsweise bestehen Rahmenverträge, zum Beispiel mit dem Büroartikellieferanten Lyreco. Der jeweilige Bedarf wird von den Fachabteilungen ermittelt. Im Vorfeld wird mit dem Umweltbeauftragten über die entsprechenden Anforderungen an die Produkte gesprochen, sei es in Bezug auf Lebensdauer, Aufrüstbarkeit oder Zertifizierung. Die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes ist eines der definierten Ziele, dazu gehören beispielsweise auch höhenverstellbare Schreibtische.

Enge Zusammenarbeit: Der Einkaufschef und der Umweltexperte sehen die Teilnahme am Wettbewerb "Büro & Umwelt" als Benchmark für die erfolgreiche umweltfreundliche Beschaffung.
Enge Zusammenarbeit: Der Einkaufschef und der Umweltexperte sehen die Teilnahme am Wettbewerb "Büro & Umwelt" als Benchmark für die erfolgreiche umweltfreundliche Beschaffung.

Derzeit führt die GIZ mit einem SAP-SRM-System ein neues Beschaffungssystem ein. Damit werden in Kürze Katalogbestellungen für standardisierbare Produkte möglich sein und deutliche Effizienzsteigerungen bei den Bestellungen ermöglicht. Das betrifft unter anderem auch die IT nebst Zubehör sowie Büromöbel und sämtliche Büromaterialien inklusive der Moderationausstattung. Bestellt wird aber weiterhin nur von ausgewählten Office-Managerinnen oder Controllern, um komplexe Genehmigungsverfahren zu vermeiden. In puncto umweltfreundlicher Beschaffung sei man „im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg“, insbesondere was die Beschaffung fürs Inland, für Papier, Büroartikel und Merchandisingartikel angehe, kommentiert Einkaufschef Ernst Hustädt.

Eckpunkte der nachhaltigen Beschaffung im Büro

Auf der Paperworld stellte der Umweltbeauftragte Roger Wolf im Rahmen des Starts des Wettbewerbs „Büro & Umwelt 2012“ das Green Procurement-Konzept vor. Ein wichtiger Faktor im Umfeld Büro ist der ausschließliche Einsatz von Recyclingpapieren. Ein Dokumentenmanagementsystem unterstützt den papierlosen Workflow, Faxe gehen auf dem PC ein und werden nicht ausgedruckt. Ein Outputmanagementsystem mit Etagenkopierern mit Druck- und Scanfunktion ermöglicht eine effiziente Druckerbewirtschaftung. Bei EDV-Ausschreibungen wird der Preis mit 50 Prozent gewertet, die andere Hälfte der Wertung bezieht Qualitätsaspekte und Umweltkriterien mit ein. Dabei gibt es relativ viele Muss-Kriterien in Bezug auf Umwelt und Ergonomie, zum Beispiel die EU-Bildschirmrichtlinie, der Ausschluss karzinogener oder mutagener Substanzen, Geräuschemissionen und der EPA Energy Star 4.0.

Mit der Umstellung auf virtuelle Server konnte die Energieeffizienz im Rechenzentrum deutlich verbessert werden. Derzeit laufen 95 virtuelle Server auf 15 physischen Maschinen, das bringt Einsparungen in Höhe von 405 000 Kilowattstunden Strom jährlich, was einem Stromverbrauch von über hundert Vier-Personen-Haushalten (à 4000 kWh/a) entspricht. Das Holz der Büromöbel muss aus nachhaltiger Forstwirtschaft (FSC) stammen. Und auch beim Thema Reinigung wird auf die Umwelt geachtet. Beispielsweise blieb nach hausinternen Tests mit Reinigungsmitteln für die Spülmaschinen in den Kaffeeküchen nur ein Produkt übrig, das eine gute Reinigungsleistung zeigt. Das Kombimittel ist Reiniger, Klarspüler und Salzersatzstoff in einem und kommt ohne gewässerbelastende Phosphate aus. Interessierten öffentlichen Beschaffern und Einkäufern aus kleinen und mittleren Unternehmen empfiehlt Roger Wolf den von der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erstellten „Kompass Nachhaltigkeit“ (www.kompass-nachhaltigkeit.de). Es ist Informationsportal und gibt Orientierungshilfe in Bezug auf rechtliche Rahmenbedingungen, politische Beschlüsse, Vergabeprozesse sowie Infos zu Umwelt- und Sozialkriterien, Suchhilfe für Standards und viele Best Practices.

www.giz.de

Standort Eschborn: Solaranlagen auf dem Dach liefern umweltfreundliche Energie.
Standort Eschborn: Solaranlagen auf dem Dach liefern umweltfreundliche Energie.

Die GIZ

 

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist in vielen

Arbeitsfeldern aktiv – die Bandbreite reicht von Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung über den Aufbau von Staat und Demokratie, die Förderung von Frieden, Sicherheit, Wiederaufbau sowie ziviler Konfliktbearbeitung, die Sicherung von Ernährung, Gesundheit und Grundbildung bis hin zu Umwelt-, Ressourcen und Klimaschutz. Die GIZ unterstützt ihre Partner auch durch Management- und Logistikdienstleistungen und agiert als Mittler, um unterschiedliche Interessen in sensiblen Kontexten auszuhandeln. In akuten Notsituationen werden Nothilfe und Flüchtlingsprogramme durchgeführt. Als anerkannter Träger des Entwicklungsdienstes werden Fachkräfte als Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer in die Partnerländer entsendet. Wichtigster Auftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Darüber hinaus ist die GIZ für weitere Bundesressorts – darunter das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das Bundesministerium der Verteidigung, das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das Bundesministerium für Bildung und Forschung, für Bundesländer und Kommunen sowie für öffentliche und private Auftraggeber im In- und Ausland tätig.

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