C.ebra

Eine andere Sichtweise einnehmen

Die Fragestellung wie man Nachhaltigkeit und den Büroalltag in Einklang bringen kann, stand im Fokus des Sustainability Day auf der Orgatec. Dieser wird gemeinsam vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, B.A.U.M. e.V., und der Koelnmesse organisiert.

Rund 17 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland an Büroarbeitsplätzen, die Umweltbelastungen sind enorm. In Deutschland werden zum Beispiel jährlich schätzungsweise 55 Millionen Tintendruckerpatronen und acht Millionen Tonerkartuschen verbraucht. Dies zeigt, dass ressourcenschonendes Verhalten im Büroalltag sowie die Beachtung von Umweltaspekten bei der Büroeinrichtung und Büroartikelbeschaffung von großer Bedeutung sind. Am Vormittag des Sustainability Days standen Vorträge von Unternehmensvertretern und Experten auf der Agenda, während am Nachmittag die Preisverleihung des Wettbewerbs „Büro & Umwelt“ stattfand, der von B.A.U.M. seit 2008 ausgelobt wird und jährlich die umweltfreundlichsten Büros Deutschlands sucht.

Den Auftakt machte Burkhard Remmers, zuständig für Internationale Kommunikation beim Büromöbelhersteller Wilkhahn. Er stellte seinen Vortrag unter die Überschrift „Perspektivwechsel für eine neue Büroergonomie: Gesundheit, Umwelt, Produktivität“. Er sieht bei Wilkhahn das Prinzip Vermeidung im Fokus, also die Produktion langlebiger Produkte. Reduktion unter dem Motto „Less is more“ ist ebenso Bestandteil der Firmenphilosophie, dies bezieht sich auf Material, Energie und Emissionen. Hinzukommt dann noch das Prinzip der Weiterverwendung und Verwertung, hier geht es unter anderem um die Materialkreisläufe. Der Nachhaltigkeitsanspruch spiegelt sich bei Wilkhahn nicht nur in den Produkten wider, sondern auch in den Produktionsstätten in Münder. Burkhard Remmers hob besonders das Holzbausystem, die Nutzung des Tageslichts und die grünen Dächer der Gebäude hervor.

Doch für ihn gehören ergonomische Aspekte ganz elementar zum Gesamtbild des Bürostuhlherstellers. In diesem Zusammenhang verwies Burkhard Remmers auf den TK-Report 2014, in dem von 40 Millionen Fehltagen pro Jahr aufgrund von Rückenbeschwerden die Rede ist. In Zeiten des demografischen Wandels seien Reaktionen erforderlich. Nur 25 Minuten Bewegung am Tag würden sich Menschen durchschnittlich bewegen, das habe fatale Folgen. So sei der menschliche Organismus auf das Prinzip Reiz und Reaktion ausgelegt, es müssten also Anreize dazu verhelfen, dass sich Büromitarbeiter wieder mehr bewegen. Die Arbeitswelt sei mittlerweile so strukturiert, dass das meiste im Sitzen vom Bürostuhl erledigt werden könne, lediglich die Hände seien noch zur Bedienung von Tastatur und Maus gefordert. Burkhard Remmers sieht hier neue Organisations- und Raumkonzepte gefragt, die wieder mehr Bewegung ins Büro bringen. So gebe es etwa in den Niederlanden einige architektonische Vorzeigeprojekte, bei denen aufwendig gestaltete Treppenhäuser zum Treppensteigen einladen und der Aufzug nur noch von denen benutzt wird, die darauf angewiesen sind. Für Burkhard Remmers sind hier sowohl Hersteller gefragt, neue Projekte zu entwickeln, als auch übergreifende Konzepte vonnöten, die sich mit dem Büroarbeitsplatz beschäftigen.

Detlef Bracht von office-4-sale Büromöbel stellte seinen Vortrag unter das Motto „Möbel mit Berufserfahrung“. Er beschrieb den Weg seines Unternehmens, öffentliche Beschaffer von dem Kauf gebrauchter und wieder aufbereiteter Möbel zu überzeugen. Dabei seien diese aus ökologischer Sicht sehr sinnvoll, so würden zum Beispiel Emissionen in erheblichem Umfang eingespart. Dieser Weg sei aber nicht ganz hürdenfrei und es läge noch eine Wegstrecke vor dem Unternehmen.

Schließlich behandelte Monika Missalla-Steinmann von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) das Thema „Einsatz nachwachsender Rohstoffe bei Büromöbeln und Stühlen“. Die FNR wurde 1993 gegründet, hauptsächlich befasst sie sich mit Forschungsvorhaben zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Die Expertin kritisierte, das in Bezug auf nachhaltige Aspekte und Wirtschaftlichkeit nicht ganz eindeutige Vergaberecht. Beschaffer forderte sie auf, den Markt gut zu erkunden und sich schlau zu machen. Als positives Beispiel hob sie das Land Berlin hervor, das in seinen Leistungsbeschreibungen explizit Wert auf nachhaltige Aspekte legt. Abschließend legt die Vertreterin des FNR Beschaffern die Formulierungshilfen für Ausschreibungen der FNR ans Herz.

Im Anschluss fand die Diskussionsrunde zum Thema „Nachhaltigkeitskonzepte im Büro“ mit den Referenten des Vormittags unter der Moderation des Fachjournalisten David Wiechmann statt. Hier stand etwa die Vielfalt und Übersichtlichkeit von Ökolabeln im Fokus. Monika Missalla-Steinmann kritisierte das neue Label des europäischen Büromöbelverbandes, das im Rahmen der Orgatec vorgestellt wurde. Ein Label auf Verbandsinitiative bezeichnete sie als nicht hilfreich, sinnvoller wäre es, sich auf etwa auf den „Blauen Engel“ zu fokussieren. Burkhard Remmers beschrieb hingegen die Schwierigkeit eines Herstellerunternehmens bei internationalen Ausschreibungen in Bezug auf geforderte Label mitzuhalten, so müsse man etwa in den USA unter Umständen Produkte nach LEED- Standard zertifzieren, was Kosten von 50 000 Euro pro Produkt mit sich brächte. LEED ist ein freiwilliger, nationaler US-Standard (Green Building Council’s Leadership in Energy and Environmental Design), mit dem Gebäude in den USA zertifiziert werden. Die Runde war sich einig, dass sich in Zeiten von hohem Kostendruck gerade auch die öffentliche Hand schwer tue, nachhaltige Kriterien in den Fokus bei Ausschreibungen zu legen, da die anfänglichen Kosten sicher höher wären. Beachte man jedoch die Lebenszykluskosten, erhalte man eine andere Sicht und diese solle sich langfristig auch durchsetzen.

www.buero-und-umwelt.de

 

 

Verwandte Themen
Das Chefbüro hat ausgedient. Im Trend: Teamzonen, die sich flexibel an die aktuellen Bedürfnisse anpassen lassen (Abbildung: C + P Möbelsysteme)
Office Depot schafft flexible Bürokonzepte zum Wohlfühlen weiter
Der Handelstag auf der Paperworld bietet ein hochkarätig besetztes Vortragsprogramm, u.a. mit (v.l) Holger Jahnke (Sedus Stoll), Torsten Buchholz (Soennecken), Jonathan Brune (Durable/Luctra) und Lars Schade (Mercateo).
QO-Punkte sammeln beim Handelstag "Büro der Zukunft" auf der Paperworld weiter
Amazon Business hat innerhalb eines Jahres Kunden vom Ein-Mann- bis zum Großunternehmen gewonnen. (Monitor: Thinkstock 166011575)
"Amazon Business" gewinnt gewerbliche Kunden dazu weiter
Themenheft: "Büro - Einrichtung, Material, Gestaltung" der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
FNR-Leitfaden für eine biobasierte Bürogestaltung weiter
Das Stauraumsystem "Space" von Kinnarps
Skandinavische Einrichtungslösungen sind gefragt weiter
Die Büros sind mit umwelfreundlichen, modularen Möbeln ausgestattet.
UmweltBank gewinnt beim B.A.U.M.-Wettbewerb weiter