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LED-Beleuchtung am Flughafen
LED-Beleuchtung am Flughafen

Hochgesteckte Ziele

Wie vielfältig das Engagement eines großen Unternehmens sein kann, stellte der Flughafen München bei dem Wettbewerb „Büro und Umwelt 2013“ unter Beweis. In der Kategorie „Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern“ erhielt er dafür den 2. Platz.

Die im Jahr 1949 gegründete Flughafen München GmbH (FMG) betreibt den Flughafen München. Gesellschafter sind seit 1973 unverändert der Freistaat Bayern mit 51 Prozent, die Bundesrepublik Deutschland mit 26 Prozent und die Landeshauptstadt München mit 23 Prozent. Nachhaltigkeit ist seit 2010 ein zentrales Element der Unternehmensmission. Das Umweltmanagementsystem des Flughafens ist sowohl zertifiziert nach EMAS, aber auch nach ISO 14001. Das Geschäftsmodell der FMG ist auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit ausgerichtet. Hermann Blomeyer, Leiter des Projektteams Kapazitäten und Umwelt, beschreibt den Einkauf von Bürobedarf folgendermaßen: „Die FMG bevorzugt beim Einkauf dieser Artikel umweltfreundliche Produkte mit anerkannten verlässlichen Zertifikaten. Die meisten Artikel des Bürobedarfes werden über den Onlinekatalog eines führenden Münchner Händlers bestellt. Die einzelnen Abteilungen des Flughafens München haben über ihr Sekretariat Zugriff auf diese Onlineplattform. Bei Bedarf an weiteren Büroartikeln, wie zum Beispiel Möbeln, gibt es neben zusätzlichen Katalogen verschiedener Hersteller auch die Möglichkeit der Ausschreibung.“ Um die Umweltfreundlichkeit zu gewährleisten, setzt man auf den Öko-Tipp des Händlers und verlässt sich unter anderem auf die Siegel „Blauer Engel“, den „Nordic Swan“ und die FSC-Zertifizierung.

Hermann Blomeyer ist Leiter des Projektteams Kapazitäten und Umwelt.
Hermann Blomeyer ist Leiter des Projektteams Kapazitäten und Umwelt.

2012 nahm der Flughafen erstmalig an dem „Büro und Umwelt Wettbewerb“ teil und erreichte den 3. Preis. Das war Ansporn genug und so gab man sich nicht mit dem Erreichten zufrieden, sondern nahm weitere Projekte in Angriff, wie etwa die ausschließliche Verwendung von Recyclingpapier. Das Engagement zahlte sich aus, doch auch der 2. Platz motiviert weiterhin. In den Büros wird einiges getan, um ein nachhaltiges Arbeiten zu ermöglichen. Je nach aktuellen Wetterverhältnissen öffnen oder schließen sich die Jalousien. Bei zunehmendem Tageslicht schaltet sich zusätzlich die Innenbeleuchtung ab. Das Trinkwasser am Flughafen München wird zudem aus einem eigenen Brunnen gefördert. Hermann Blomeyer liegt das Bestreben des Flughafens, bis 2020 CO2-neutral zu wachsen, besonders am Herzen: „Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen vielfältige Maßnahmen in allen Bereichen des Flughafens durchgeführt werden. Beispielsweise kann mit der Umstellung von herkömmlicher Beleuchtung auf LED-Lampen der Stromverbrauch und damit der Kohlendioxidausstoß nahezu halbiert werden. Für alle neu gebauten Gebäude wie den Terminal-2-Satelliten gilt die strenge Vorgabe 40 Prozent weniger Energie als vergleichbare Gebäude zu verbrauchen und somit weniger Schadstoffe zu emittieren.“ Eine eigene CO2-Datenbank hilft dabei, den Energieverbrauch im Auge zu behalten. Hier werden alle Klimaschutzmaßnahmen gesammelt, die eine Reduzierung der CO2-Emissionen bewirken. Dadurch kann stets der aktuelle Stand des CO2-Ausstoßes abgelesen werden. Der Leiter des Projektteams fasst zusammen: „In geeigneten Auswertungen wird festgestellt, ob die Maßnahmen ausreichend sind oder weitere eingeleitet werden müssen, um das CO2-Einsparziel zu erreichen. Die FMG betreibt damit einen hohen Aufwand an Technik und Personal, um ihre Klimaschutzziele zu erreichen.“

Alle ziehen an einem Strang

Recycling ist ein weiterer wichtiger Bereich, der auch den Mitarbeitern am Herzen liegt. Der Flughafen München benutzt ein Vier-Behälter-Trennsystem und durchläuft ständig Optimierungsprozesse. Mitarbeiter können auch von zuhause Altbatterien und Energiesparlampen mitbringen, die dann ordnungsgemäß recycelt werden. Hermann Blomeyer sieht in den Mitarbeitern einen zentralen Faktor für das erfolgreiche Engagement des Unternehmens, denn sie tragen gemeinsam mit der Geschäftsführung die Idee der Nachhaltigkeit. Blomeyer führt aus: „Also nicht nur top-down, sondern auch buttom-up. Das drückt sich beispielsweise in den zahlreichen Ideen im internen Vorschlagswesen, dem ,Ideenpool‘ aus. Dort werden Vorschläge gesammelt, prämiert und weiterentwickelt.“ Aus diesem Pool entstand zum Beispiel die Kindertagesstätte der FMG im Besucherpark, die im September 2013 eröffnet wurde. Die Umweltfreundlichkeit durch wegfallende Fahrtwege steht hier wohl eher im Hintergrund – die Kita trägt aber sicher in erheblichem Maße zur Mitarbeiterzufriedenheit bei.

Ziel der „Health Lounge“ ist es, den Mitarbeitern kurze Auszeiten während der Arbeit für eine effektive physische Regeneration zu ermöglichen.
Die „Health Lounge“ ermöglicht den Mitarbeitern eine physische Regeneration während der Arbeit.

Ein großer Anteil der Energienutzung lässt sich auf Bürogeräte zurückführen, deswegen ist die IT-Abteilung unter dem Motto „Green IT“ ein wichtiger Teil des nachhaltigen Engagements. Die Zertifizierung des Rechenzentrums wurde 2013 mit einem Zertifikat des TÜV IT abgeschlossen. Gegenstand dieser Prüfungen waren unter anderem die Sicherheit und Energieeffizienz. Nur ein Drucker steht für eine Abteilung zur Verfügung, um Energie einzusparen. Mit Hilfe des Systems „Print as you go“ sollen unnötige Drucke vermieden werden, da sich der Speicher um Mitternacht leert und nicht abgeholte Drucke gelöscht werden. Außerdem wird der Stromverbrauch von neuen Geräten vor deren Einführung gemessen. Seit 2010 schalten Geräte automatisch ab und eine effizientere Serverkühlung durch Kaltgangeinhausung ergibt eine 30-prozentige Einsparung bei der Klimatisierung. Nicht zuletzt werden Smart Meters zur Erfassung von Energieströmen benutzt.

Was kommt noch?

Zu den geplanten Projekten gehören laut Hermann Blomeyer zum einen die Integration von Nachhaltigkeitskriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) in die Ausbau- sowie Umbauplanung der FMG. Zum anderen wird der Bereich Innovationsmanagement auf die stärkere Berücksichtigung von nachhaltigen Ideen ausgerichtet. Er beschreibt weiter: „Eine deutliche Reduzierung von Energie, Abgasen und Lärm auf den Vorfeldern wird durch das Projekt ,Pre-conditioned Air (PCA)‘ erreicht werden. Einige Pilotanlagen sind bereits in Erprobung. Die Kommunikation wird im Rahmen des Markenauftritts ,Verbindung leben‘ auf ein verstärkt nachhaltiges Miteinander ausgerichtet. Bei diesem Markenprojekt handelt es sich um einen Wegweiser für die nachhaltige und zukunftsträchtige Entwicklung des FMG-Konzerns.“ Hermann Blomeyer sieht drei wichtige Punkte, die Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit beachten sollten. Zunächst rät er, die drei Säulen der Nachhaltigkeit „Umwelt, Soziales und Finanzen“ in etwa gleich wichtig zu nehmen. Des Weiteren sollten Ideen der Mitarbeiter zu konkreten Maßnahmen ernst genommen und nach Prüfung möglichst umgesetzt werden. Und abschließend erklärt er: „Ein wichtiger Punkt ist auch, die stetige Verbesserung des Nachhaltigkeitsgedankens durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Unternehmensteile zu fördern.“

www.munich-airport.de

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