C.ebra

RC-Papier zur Chefsache gemacht

Für die vorbildliche Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens wurde die Uni Osnabrück 2009 als „umweltfreundlichstes Büro“ in der Kategorie öffentliche Institutionen ausgezeichnet. Umweltkoordinatorin Jutta Essl berichtet von ihrer Arbeit.

Die Hochschule mit ihren rund 10 000 Studenten besteht in ihrer heutigen Form seit 1974, und hat ihren Sitz sowohl in der Innenstadt im Osnabrücker Schloss als auch am Westerberg. Derzeit beschäftigt die Hochschule 1400 Mitarbeiter, von denen circa 98 Prozent auch einen Büroarbeitsplatz haben. Hinzu kommen noch ungefähr 600 Arbeitsplätze für Studierende (wissenschaftliche Hilfskräfte, Diplomanden oder Promovenden). Ein Tipp von Jutta Essl an andere Unis und öffentliche Verwaltungen ist es, unbedingt am B.A.U.M.-Wettbewerb „Büro & Umwelt“ teilzunehmen. Es helfe, die Beschaffungsvorgänge und -abläufe im Betrieb noch einmal genau zu durchleuchten. Außerdem bekäme man viele Anregungen wie und wo man sich noch verbessern könnte.

Dr. Wilfried Hötker, Vizepräsident Personal und Finanzen der Uni, lässt das Präsidenten-Briefpapier auf Recyclingpapier drucken.
Dr. Wilfried Hötker, Vizepräsident Personal und Finanzen der Uni, lässt das Präsidenten-Briefpapier auf Recyclingpapier drucken.

Seit der Schaffung der Stelle „Umweltkoordinator“ im Jahr 2002 unterstützt Jutta Essl die Beschaffungsstelle und die Uni im allgemeinen mit ihrem Know-how in puncto Umweltschutz und Betriebsökologie. Das Einsparen von Ressourcen, insbesondere von Energie, sei bereits seit Anfang der 90er Jahre ein Thema im Dezernat Gebäudemanagement der Uni. Weiter ausgebaut wurde das Thema Umweltschutz 1996 über ein Forschungsprojekt, gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), bei dem eine Ökobilanzierung der Stoffströme vorgenommen wurde. Durchgeführt wurde das Projekt von Dr. Peter Viebahn, Mitarbeiter des Instituts für Umweltsystemforschung an der Uni OS.

Davon abgeleitet wurden verschiedene Umweltmanagement- Module zu den unterschiedlichen Themen. Ein Thema dabei war natürlich auch die Beschaffung. Essl versteht sich als Beraterin. So erklärt sie sich auch die hohe Akzeptanz ihrer Arbeit. Die Bewertung der Produkte nach Umweltkriterien sei heutzutage nicht mehr so trivial, so dass viele Abteilungen sehr froh wären, wenn ihnen diese Arbeit abgenommen werde. Wichtig dabei sei die klare Definition von Kriterien, die die Mitarbeiter später bei der Beschaffung anwenden können, so die Umweltexpertin.

Im Rahmen des aktiven Umweltmanagementsystems sei die Beschaffung ein zentraler Punkt, erklärt Essl. Und zitiert einen Auszug aus dem Umweltbericht 2008: „Wer bereits bei der Beschaffung auf Umweltkriterien achtet, stellt hier die Weichen für spätere ressourceneffiziente Nutzung und anschließende problemlose Entsorgung. Wir unterstützen die Hochschulangehörigen bei Ihren Kaufentscheidungen durch die ökologische Überprüfung der Produkte und Anbieter im Vorfeld. Dabei spielen auch Umweltkriterien in der Herstellung eine große Rolle. Die Universität Osnabrück trägt dadurch unmittelbar zur Reduzierung vielfältiger Umweltprobleme bei und fördert gleichzeitig die Entwicklung und Vermarktung umweltfreundlicher Produkte.“

Der Umweltgedanke wird in den Einkaufsprozess miteingebunden

Wenn beispielsweise Betriebsmittel wie Toilettenpapier, Papierhandtücher und Handwaschseife ausgeschrieben würden, hält die zuständige Abteilung Rücksprache mit Jutta Essl und klärt die umweltrelevanten Beschaffungskriterien. Auch bei der Ausschreibung zur Gebäudereinigung wurde im Vorfeld mit der zuständigen Abteilung der Kriterienkatalog gemeinsam überarbeitet.

Wenn Nutzer zum Beispiel einen Beschaffungsantrag für einen Kühlschrank stellen und kein A++-Modell ausgewählt haben, dann hält entweder die Beschaffungsstelle oder Essl Rücksprache mit den Nutzern, um zu klären, ob es sich um ein Versehen bzw. einen Auswahlfehler handelt oder ob unter Umständen doch genau dieses Gerät beschafft werden muss, weil eben nur dieses Gerät die Bedürfnisse des Laboreinsatzes erfüllt.

Jutta Essl ist besonders stolz darauf, die Uni bereits im Jahr 2006 konsequent auf Recyclingpapier umgestellt zu haben. Ihr wichtigstes Ziel ist es, den Papierverbrauch weiter zu senken.
Jutta Essl ist besonders stolz darauf, die Uni bereits im Jahr 2006 konsequent auf Recyclingpapier umgestellt zu haben. Ihr wichtigstes Ziel ist es, den Papierverbrauch weiter zu senken.

Ökolabels seien eine wichtige Hilfestellung bei der Zusammenfassung und Bewertung der Umweltkriterien für bestimmte Produkte, insbesondere der „Blaue Engel“ helfe dabei sehr, so Essl. In der Regel würden allerdings die exakten Angaben noch einmal genau unter die Lupe genommen, beispielsweise sei beim Energieverbrauch nicht nur „A++“ ausschlaggebend, sondern die tatsächliche Zahl der Kilowattstunden.

So werden auch gezielte Produktempfehlungen ausgesprochen. Beim Einsatz von Tonerkartuschen gibt es beispielsweise die klare Empfehlung Rebuilt-Produkte einzusetzen. Besonders die Firma Berolina habe laut Essl hier überzeugt, nicht nur durch das gute Druckergebnis. Wichtige Aspekte waren das Rücknahme- und Rebuiltsystem sowie der größere Tonertank verbunden mit der Möglichkeit mehr Seiten zu drucken. Zudem ist Berolina als Entsorgungsfachbetrieb und nach ISO 14001 zertifiziert und die Tonerinhaltstoffe von der Berufsgenossenschaft auf Schadstoffe geprüft.

Über Rahmenverträge und Direktbestellungen

Büroartikel werden über die einzelnen Abteilungen via Webshop bestellt. Lieferanten sind hier der Versandspezialist Memo und der regionale OfficeStar-Händler Kochanowski. Bei beiden Dienstleistern gibt es keine bindenden Rahmenverträge. Bei Memo werden insbesondere auch die „Giveaways“ mit Uni-Aufdruck bestellt (z.B. Holzbleistifte mit Logo und Hinweis sich umweltfreundlich zu verhalten oder Holz-Gelwriter mit Hinweis zum richtigen Lüften).

In anderen Bereichen bestehen Rahmenverträge, so zum Beispiel beim Papier. In den Kopierern der Hochschule wird Recyclingpapier schon lange eingesetzt. Und seit 2006 wird es auch als Standardpapier in allen Druckern verwendet. Für Kopierzwecke wird ausschließlich „Steinbeis Trend White, Iso 80er Weiße“ in A4 und A3 verwendet. Beim Drucken setzt die Uni intern ebenfalls auf „Trend White“. Kopierer und Drucker, die von den Studenten benutzt werden können, sind standardmäßig mit Recyclingpapier ausgestattet – wer weißes Papier benötigt, muss das extra anfordern.

Insbesondere für den externen Briefverkehr oder aber auch beim Ausdruck von Kopiervorlagen soll das Papier aber einen höheren Weißegrad aufweisen. Deshalb hat sich die Uni nach einer Testphase für den Einsatz von „EvolveOffice“ (140er Weiße) Papier entschieden.

Der Vizepräsident für Personal und Finanzen Dr. Wilfried Hötker hat die Einführung der neuen Papiersorte auf ganz besondere Weise unterstützt, in dem er die Sekretariate der Hochschulleitung als Tester zur Verfügung stellte. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass weder optische noch funktionale Gründe gegen die Umstellung auf das umweltfreundliche Recyclingpapier sprachen. Auch die anderen Testabteilungen meldeten nur positive Ergebnisse und so konnte Anfang 2007 ein neuer Rahmenvertrag abgeschlossen werden.

Auch für die Büromöbel besteht ein Rahmenvertrag, die Bestellungen laufen über die Beschaffungsabteilung. Die Uni Osnabrück setzt dabei auf Büromöbel von Assmann mit dem „Blauen Engel.“ Der modulare Aufbau der Möbel sichere zudem den flexiblen Einsatz an der Hochschule und helfe so, sich den stetig wechselnden Bedürfnissen der Nutzer anzupassen. Um- und Anbauten könnten problemlos durchgeführt werden, resümiert Essl.

EDV/Hardware wird in Absprache mit den EDV-Beauftragten über das Rechenzentrum beschafft. Die Uni Osnabrück habe sich dazu dem „Hardware Rahmenvertrag Wissenschaftsstandort Göttingen“ mit der Firma Dell angeschlossen. Die vom Rechenzentrum empfohlene Hardware entspreche den EPEAT-Richtlinien (Electronic Product Environmental Assessment Tool). In der Regel werden Produkte mit dem EPEAT-Gold-Label empfohlen.

Auch die Studenten werden natürlich in die umweltfreundliche Arbeitsweise einbezogen. Dazu arbeite man mit dem AStA zusammen, so Essl. Beispielsweise wurde der Umstellungsprozess des AStA-eignen Lernmittelverkaufs auf ökologische Produkte unterstützt.

„TU WAS“- Initiative für die Umwelt an der Uni Osnabrück: viele simple Tipps zum Mitmachen
„TU WAS“- Initiative für die Umwelt an der Uni Osnabrück: viele simple Tipps zum Mitmachen

www.uni-osnabrueck.de/umwelt

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