C.ebra

Echt falsch - echt riskant

Sven Schneller, Beirat Office Gold Club
Sven Schneller, Beirat Office Gold Club
Liebe C.ebra-Leser,

Editorial

 

spätestens seit der Guttenberg-Affäre sind die Bedeutungen von Original und Plagiat wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Allein diese Aussage so stehen zu lassen, wäre schon wieder ein Plagiat. Denn sie stammt nicht aus meiner Feder, sondern von Nicola Perl, der Geschäftsführerin vom Office Gold Club.

Dennoch: Nicht erst seit Guttenberg sind Fälschungen ein schwerwiegendes Problem. Den weltweit jährlich verursachten Schaden schätzt die OECD auf über 250 Milliarden US-Dollar. Dabei geht es aber nicht nur um monetäre Belange. Herstellern entstehen Imageschäden, Verbraucher werden mit einem mangelnden Preis-Leistungs-Verhältnis bis hin zu Gesundheitsrisiken konfrontiert, dem Staat entgehen Steuereinnahmen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland leidet.

Weil die PBS-Branche bis auf wenige Ausnahmen mittelständisch geprägt ist, fehlen den Unternehmen häufig die Mittel, im Alleingang etwas zu bewirken. Deshalb kommt dem Office Gold Club auch hier eine wichtige Bedeutung zu. Die darin zusammengeschlossenen Unternehmen können in konzertierten Aktionen Einkäufer und Endanwender für die Bedeutung von originären PBS-Markenartikeln sensibilisieren. Deshalb hat der Office Gold Club in der vergangenen C.ebra-Ausgabe das Thema Fälschungen in den Fokus gerückt und führt es in dieser Ausgabe fort. Damit Sie sich in Zukunft davor schützen können und den Mehrwert eines Originalproduktes schätzen lernen.

Beste Grüße, Sven Schneller

Das verbotene Nachahmen von Produkten und die illegale Verwendung von Logos und Markennamen ziehen immer weitere Kreise. Der wirtschaftliche Schaden für Staat und Unternehmen ist kaum absehbar, doch viel beunruhigender sind die Auswirkungen für die Konsumenten. Minderwertige Qualität und mangelnde Kontrollen können Gefahr für Sicherheit und Gesundheit bedeuten. Die Methoden zur Bekämpfung der kriminellen Machenschaften sind vielfältig, die wichtigste jedoch ist Aufklärung.

Schon längst werden nicht mehr nur Uhren oder Handtaschen gefälscht. Das Portfolio der Produktpiraterie hat sich von teuren Luxusgütern auf ganz alltägliche Dinge ausgeweitet. Ob Kosmetik oder Waschmittel, sogar Taschentücher werden regelmäßig gefälscht. Kopiert wird alles, wofür sich ein Käufer findet. Optisch sind viele Plagiate kaum vom Original zu unterscheiden, qualitativ weisen sie dagegen zumeist ein deutliches Missverhältnis auf. „Produkt- und Markenpiraten täuschen den Verbraucher mit möglichst billig produzierten Plagiaten bekannter Markenprodukte“, beklagt Dr. Michael Kuckartz, Leiter des Innovations- und Patent-Centrums (IPC) der Handelskammer Hamburg.

Folgenreiche Fälschungen

Vereine wie der „Aktionskreis gegen Produkt- und Marken-piraterie e.V.“ haben sich die Aufklärung der Öffentlichkeit zum Ziel gesetzt. (Bild: Aktionskreis gegen Produkt- und Marken-piraterie e.V.)
Vereine wie der „Aktionskreis gegen Produkt- und Marken-piraterie e.V.“ haben sich die Aufklärung der Öffentlichkeit zum Ziel gesetzt. (Bild: Aktionskreis gegen Produkt- und Marken-piraterie e.V.)

Produkt- und Markenpiraterie ist ein sehr umfassendes Problem, dessen Folgen in vielen Bereichen zu spüren sind. Nach Schätzungen der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) liegt der durch Markenpiraterie verursachte Schaden allein in Deutschland bei 50 Milliarden Euro jährlich. Rund 70 000 Arbeitsplätze gingen deshalb in Deutschland bereits verloren, weltweit sind es bis zu zwei Millionen. Der Verlust von Arbeitsplätzen bedeutet für den Staat geringere Steuereinnahmen und die hohe Arbeitslosenzahl belastet den Staatshaushalt zusätzlich. Viel schlimmer sind jedoch die nicht zu beziffernden Folgen für die Konsumenten. „Gefälschte Produkte sind häufig von minderwertiger Qualität und daher sicherheits- und gesundheitsgefährdend, im schlimmsten Fall gar lebensbedrohlich“, warnt der Vorstandsvorsitzende des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V. (APM) Dr. Rüdiger Stihl. Im Gegensatz zum Originalprodukt haben die illegalen Nachahmungen im Allgemeinen oft keine einzige Belastungs-, Material- und Qualitätsprüfung durchlaufen. Die Folgen für Verbraucher sind kaum absehbar. So gingen der Zollfahndung schon Bremsklötze ins Netz, die ausschließlich aus Lehm bestanden und sich spätestens nach der zweiten Bremsbetätigung aufgelöst hätten. Auch billige Imitate hochwertiger Spielzeuge, Büroartikel oder Kleidung können dem Endverbraucher viel Ärger verursachen. Im besten Fall führt die mangelhafte Verarbeitung zu schnellem Verschleiß, doch schadstoffreiche und giftige Materialien können sogar zu ernsthaften Gesundheitsgefahren und allergischen Reaktionen führen.

Der Kampf gegen Produktpiraten

Mit Wanderausstellungen oder der Verleihung eines „Negativpreises“ lenken u. a. der „Aktionskreis gegen Produkt- und Marken-piraterie e.V“. oder der „Plagiarius e.V“. die Aufmerksamkeit auf Ursachen und Konsequenzen der Produktpiraterie. (Bild: Aktionskre
Mit Wanderausstellungen oder der Verleihung eines „Negativpreises“ lenken u. a. der „Aktionskreis gegen Produkt- und Marken-piraterie e.V“. oder der „Plagiarius e.V“. die Aufmerksamkeit auf Ursachen und Konsequenzen der Produktpiraterie. (Bild: Aktionskreis gegen Produkt- und Marken-piraterie e.V.)

Die Strategien zur Bekämpfung der Produktpiraterie sind vielfältig. Die Original-Hersteller kämpfen an verschieden Fronten, um den Konsumenten größtmögliche Sicherheit zu garantieren. Dabei ist eine Kombination aus sichtbaren und unsichtbaren Schutzmaßnahmen eine wirksame Methode zur fälschungssicheren Gestaltung der Originalprodukte. Gütesiegel wie beispielsweise das GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit oder eine TÜV-Plakette geben Auskunft über die Qualität und die Einhaltung von sicherheitsrelevanten Eigenschaften. Da jedoch zunehmend auch die sichtbaren Prüfzeichen kopiert werden, ist eine zusätzliche Sicherung durch unsichtbare Merkmale ratsam. Die Zugabe spezieller Zusatzstoffe bei der Kunststofffertigung, wie von Rowa Masterbatch entwickelt, ermöglicht eine nicht sichtbare Kennzeichnung von Original-Produkten, sodass die Herkunft eines Produktes jederzeit nachgewiesen werden kann. Mikrofarbcodes oder Marker-Stoffe werden inzwischen so konzipiert, dass sie sogar mit einem Foto-Handy oder einer Smartphone-App überprüft werden können. Neben den technischen Innovationen zur Fälschungssicherheit ist die Sensibilisierung der Konsumenten jedoch am wichtigsten. Verschiedene Vereine wie der Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V. oder der Plagiarius e.V. haben sich die Aufklärung der Öffentlichkeit zum Ziel gesetzt. Mit Wanderausstellungen oder der Verleihung eines Negativpreises lenken sie die Aufmerksamkeit auf Ursachen und Konsequenzen der Produktpiraterie.

Sicherheit mit dem OGC

Ein weiterer wichtiger Schritt der Original-Hersteller ist ein effektiver Service für die Verbraucher. Im Bereich des gewerblichen Bürobedarfs haben sich zu diesem Zweck die großen Markenhersteller der PBS-Branche vereinigt und den Office Gold Club gegründet. Als kompetenter Berater steht der OGC seinen Mitgliedern zur Seite und bietet unter anderem auf der jährlichen Roadshow die Möglichkeit zum direkten Kontakt. Hinzu kommt eine aktive Zusammenarbeit zwischen der Markeninitiative und ausgewählten Partnerhändlern, um Verbraucher bewusst vor Fälschungen zu schützen.

www.office-gold-club.de

So entlarven Sie Plagiate

Sollten Sie einmal unsicher sein, ob es sich bei einem Produkt um ein Original handelt, hier die besten Tipps:

1. Preis: Achtung – Nichts gibt es umsonst! Niedrige Preise haben immer einen Grund. Erkundigen Sie sich, was das Produkt normalerweise kostet.

2. Qualität: Benutzen Sie Ihren Tastsinn. Drehen und wenden Sie das Produkt und achten Sie vor allem auf das Gewicht, denn Plagiate sind häufig sehr viel leichter als man vermutet.

3. Geruch: Gefährliche Inhaltsstoffe dünsten oft aus. Wenn ein Produkt nach verbranntem Kunststoff riecht, Finger weg!

4. Ort des Verkaufs: Kaufen Sie bei dem PBS-Händler Ihres Vertrauens, um Fälschern nicht auf den Leim zu gehen.

5. Verpackung und Zubehör: Bei aufgerissenem oder fehlendem Karton, fehlenden Labels oder Bedienungsanleitungen, überdenken Sie den Kauf noch einmal.

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