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Die Fabrik in Krupina ist eine von zwei Wiederaufbereitungsanlagen für Tonermodule von Brother in Europa.
Die Fabrik in Krupina ist eine von zwei Wiederaufbereitungsanlagen für Tonermodule von Brother in Europa.

Krupina: Brother macht in der Slowakei aus alten Kartuschen neue

Brother bemüht sich intensiv darum, den Anteil an weggeworfenen Druckerpatronen zu reduzieren. In einem Werk im slowakischen Krupina macht der Hersteller aus alten Kartuschen neue.

Nach Ansicht des Original-Herstellers Brother lassen sich Tonerkartuschen in der Regel problemlos mehrfach wiederverwenden und somit wertvolle Ressourcen sparen. Dass dies ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sein kann, zeigen die zahlreichen Erfolgsgeschichten von Herstellern kompatibler Verbrauchsmaterialen. Bei der breiten Masse der Original-Hersteller (OEM) scheine diese Erkenntnis aber noch nicht angekommen zu sein.

Auch wenn viele OEMs ein Rücknahmeprogramm anböten, würden die dort gesammelten Verbrauchsmaterialien meist nur stofflich verwertet, also geschreddert und eingeschmolzen, oder gar einfach nur verbrannt. Das habe handfeste Gründe: Eine leere Tonerkartusche aufzubereiten koste rund 20 Prozent mehr, als eine neue in Asien zu produzieren und diese nach Europa zu transportieren. Brother macht es trotzdem.

Als nach eigenen Angaben ­einziger Druckerhersteller betreibt das japanische Unternehmen den Aufwand seine leeren Tonerkartuschen zu erneuern. Warum dieser Prozess so aufwendig ist und sich Brother dennoch dafür entschieden hat, versteht man am Besten vor Ort, im slowakischen Krupina. Seit 2007 betreibt der Hersteller in der 8000-Einwohner-Stadt, die etwa zwei Autostunden von der Hauptstadt Bratislava entfernt liegt, ein Werk, in dem von rund 250 Mitarbeitern jedes Jahr rund 1,2 Millionen Kartuschen gereinigt, erneuert, befüllt und als Neuware wieder in den Handel gebracht werden.

Das Werk in Krupina ist dabei eine von zwei Wiederaufbereitungsanlagen in Europa, die andere steht in Großbritannien. Weitere Werke betreibt der Druckerspezialist zudem in den USA, Brasilien und Japan. Damit die leeren Toner-Module in Krupina beziehungsweise den anderen Werken ankommen, betreibt Brother einen hohen Aufwand. Die Anwender haben die Möglichkeit, die Module kostenlos zurückzusenden. In Europa werden die zurückgesandten Tonermodule in einem zentralen Lager in Rotterdam gesammelt und auf die Werke in Süd­england und der Slowakei verteilt.

Nach Ankunft dort werden die leeren Kartuschen ausgepackt und eingescannt. Ein Strichcode auf jeder Kartusche verrät den Mitarbeitern, ob sie schon einmal wiederaufbereitet wurde. Drei Leben hat laut Brother jede Kartusche, dann ist Schluss, auch aus Kostengründen. Denn die erste Wiederaufbereitung ist für den Hersteller die billigste, da hier die wenigsten Teile ausgetauscht werden müssen. Danach wird es immer teurer, bis sich die Wiederaufbereitung nicht mehr lohnt.

Nachdem die Mitarbeiter wissen, welche Teile bei der entsprechenden Kartusche nicht weiter verwendet werden können, vermerken sie dies im System und leiten die Kartuschen zur Wiederaufbereitung weiter. In einem rund 1450 Quadratmeter großen Reinraum­areal werden die Tonermodule geöffnet, entleert, gereinigt, die verbrauchten Teile ersetzt, wiederbefüllt und neu versiegelt, sodass sie nicht mehr von neuen unterschieden werden können.

Die Akzeptanz des Rücknahme-Programms könnte jedoch höher sein. Im vergangenen Jahr verkaufte Brother allein in Deutschland rund 2,6 Millionen Kartuschen, die Rücksendequote lag dabei bei rund 35 Prozent, in Krupina kamen davon rund 450.000 Kartuschen an. Zurecht fragt man sich bei Brother deshalb, was mit dem übrigen Leergut geschieht und welche Anreize die Verbraucher brauchen, um die Rücksendequote zu erhöhen.

Viel mehr als die Aktivitäten bekannt zu machen und für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, könne man nicht tun, erklärt Brother Unternehmenssprecher Jörg Stefan Schmitt. Auch Anreizmodelle wie Pfandkartuschen, wie sie in der Branche bereits ausprobiert wurden, hätten erfahrungsgemäß wenig Erfolg.

Dennoch dürfte der Hersteller auch in Zukunft an seinem Vorgehen festhalten. Dafür gibt es einige Gründe. Zum einen ist die Wiederaufbereitung der Tonerkartuschen ein Beitrag zu dem erklärten Umweltengagement des Herstellers. Das unterstreicht er auch, indem er für eingesandte Kartuschen einen bestimmten Betrag an das britische Non-Profit-Organisation CoolEarth oder aber für regionale Projekte spendet.

Die Fabrik in Krupina arbeitet – auch auf Grund des niedrigen Lohnniveaus in der Slowakei – weitestgehend kostendeckend, bessert die Klimabilanz des Herstellers auf und kann als Puffer fungieren, wenn es zu Schwankungen in den Absatzmärkten kommt. Zudem fließt das gewonnene Know-how in die Entwicklung neuer Tonerkartuschen ein. Diese sind seit 2015 modular aufgebaut und begünstigen somit die Wiederverwendung. Vor allem aber kann Brother mit seiner Kreislaufwirtschaft auch der Refill-Konkurrenz Paroli bieten. Denn je besser Brother es schafft, seine Toner-Kreislauf geschlossen zu halten, desto schwieriger wird es für diese an Leergut zu kommen.

www.brother.de 

In einem rund 1450 Quadratmeter großen Reinraumareal werden die Tonermodule geöffnet, entleert und gereinigt. Verschlissene Teile werden ersetzt, die Kartuschen anschließend wiederbefüllt und neu versiegelt.
In einem rund 1450 Quadratmeter großen Reinraumareal werden die Tonermodule geöffnet, entleert und gereinigt. Verschlissene Teile werden ersetzt, die Kartuschen anschließend wiederbefüllt und neu versiegelt.
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