Das Qualitätsargument zieht

Nachgefragt bei Monika Dormann

Ausgabe Juli 6|2011

„Made in Germany“ ist zwar kein geschütztes Qualitätszeichen, dennoch haben mit dem Signet gekennzeichnete Produkte aus Deutschland weiterhin einen guten Ruf. Qualität ist auch bei C-Artikeln ein starkes Argument.

Mitgliedsunternehmen der Initiative Standort Deutschland setzen auf den deutschen Produktionsstandort – gemeinsame Auftritte tragen dieses Engagement nach außen.Ob es um Schreibgeräte, Aktenvernichter, Briefwaagen, Batterien oder Tonerkartuschen geht – eine große Zahl von Herstellern von Büroprodukten setzt nach wie vor auf die Fertigung am Standort Deutschland und damit vielfach auch auf das Signet „Made in Germany“. Die Gründe, die für die Produktion hierzulande sprechen, sind vielfältig: Neben der unternehmerischen Verantwortung (Neudeutsch: Corporate Responsibility) sind es vor allen Dingen Qualitäts- und Kostenaspekte, die oft genug den Ausschlag für die Herstellung von Produkten in Deutschland geben. Und natürlich spielt auch das positive Image eine Rolle, von dem gerade die etablierten Markenhersteller profitieren können.

Entstanden ist die verkaufsfördernde Angabe des Herstellungslands während der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts. Mit der zwangsweisen Kennzeichnung von Import-Produkten aus Deutschland wollte sich Großbritannien dabei eigentlich gegen minderwertige Nachahmungsprodukte schützen. Wegen der in aller Regel hohen Qualität der Waren ging der Schuss aber nach hinten los: Im Laufe der Zeit wurde aus einem Handelshemmnis ein weltweit bekanntes Qualitätssiegel.

Dass die Aufschrift „Made in Germany“ keineswegs an Bedeutung verloren hat und auch im Inland seine Wirkung auf die Kunden nicht verfehlt, belegen nicht zuletzt auch verschiedene Studien der Nürnberger Marktforscher von der GfK. So stuft etwa eine Untersuchung über die Bedeutung von sozialem Engagement für Unternehmen, die die GfK Panel Services in Zusammenarbeit mit Roland Berger Strategy Consultants erstellt haben, als „unmittelbar konsumrelevant“ ein. Der Untersuchung zufolge würden 36 Prozent der deutschen Bevölkerung mehr Geld für Waren „Made in Germany“ ausgeben. Und für 28 Prozent der Deutschen haben demnach sogar Produkte aus der eigenen Region beim Kauf Vorrang. Durch die letzte Wirtschaftskrise wurde dieser Trend sogar noch verstärkt: „Begründetes Vertrauen“ gewinnt für die Anwender an Bedeutung, die „Wertschätzung von Bewährtem“ steigt. Die Krise habe die Prioritäten der Konsumenten verändert, folgern die Marktforscher. Vertrauen, Verantwortung, Innovation – Begriffe, die Produkten mit dem Label „Made in Germany“ zugeschrieben werden, haben laut einer Untersuchung zu den psychologischen Aus- und Nachwirkungen der Wirtschaftskrise für Verbraucher inzwischen eine messbar höhere Bedeutung.

www.gfk.com


Nachgefragt bei Monika Dormann:

Monika Dormann bekennt sich zum Produktionsstandort Deutschland.Frau Dormann, als Geschäftsführerin von Veloflex sowie als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Standort Deutschland“ engagieren Sie sich für das Anliegen des deutschen Mittelstandes. Hat der Begriff „Made in Germany“ noch den Glanz früherer Jahre?
Ja, unbedingt. Gerade nach den Unruhen und Katastrophen in der Welt, besinnen sich viele auf Qualität und Nachhaltigkeit – auch und gerade in Hinsicht auf kürzere Transportwege und CO2-Vermeidung – und damit auf Produkte, die am Standort Deutschland hergestellt werden.

Wie definieren Sie „Made in Germany“ im Sinne von Veloflex; was sind die wichtigsten Kriterien?
„Made in Germany“ bedeutet für Veloflex als mittelständisches, in-habergeführtes Unternehmen zum Einen das Bekenntnis zum Produktionsstandort in Deutschland. Zum Anderen ist die Ausbildung junger Menschen und die Weiterbildung der Mitarbeiter sehr stark im Fokus, um so mit den qualifizierten Mitarbeitern die geforderte und gewünschte Qualität herstellen zu können. Wichtig ist für Veloflex als Verarbeiter von Folien, Pappen, Papieren und Metall, dass der Einkauf dieser Materialien in unmittelbarer Nachbarschaft geschieht. Sollte es in Deutschland nicht möglich sein, erfolgt die Beschaffung im benachbarten europäischen Ausland. Durch kurze Transportwege wird so die CO2-Belastung gering gehalten.

Wie reagieren Ihre Endkunden auf das Engagement?
Die Endkunden benötigen bei der Fülle an Artikelangeboten schon eine Produktkennzeichnung oder einen Herkunftshinweis, wie ihn auch die Initiative Standort Deutschland liefert. Nur durch die gewünschte zusätzliche Information wird der Mehrwert, sprich der Erhalt der Wertschöpfungskette am Standort Deutschland, auch transportiert.

Was wollen Sie mit der Initiative „Standort Deutschland“ bewirken?
Die Initiative möchte eine Aufklärung beim Endkunden bewirken, ebenso wie die Sensibilisierung für die Produktion am Standort Deutschland erreichen. Wenn der Endkunde und Nutzer versteht, dass die Unternehmen durch die Produktion am Standort in Deutschland hier Steuern zahlen, hier ausbilden, hier investieren, hier Arbeitsplätze erhalten, dann hat die Initiative ihr Ziel erreicht.

www.veloflex.de


Die Initiative

Die Initiative „Standort Deutschland“ hat im August 2006 ihre Arbeit aufgenommen. Der Wunsch des Handels nach verbindlichen Aussagen war für die fünf Gründungsmitglieder der auslösende Punkt, sich für eine gemeinsame Sache zu engagieren. Alle Unternehmen kommen aus der Bürobedarfs- und Bürogerätebranche, sind mittelständisch geprägt und befinden sich im Familienbesitz. Alle produzieren und vertreiben qualitativ hochwertige Markenprodukte mit hohem Innovationsgrad, die für Leistung, Qualität, Ideenreichtum und Zuverlässigkeit stehen. Bei der Initiative stehen aber nicht die Produkte im Fokus, sondern die Unternehmen selbst. Inzwischen sind es die sechs Firmen Han, Ideal, Maul, Renz, Sigel und Veloflex, die sich zum „Standort Deutschland“ bekennen, in die Ausbildung von Jugendlichen investieren, Arbeitsplätze schaffen und erhalten. Unternehmen, die auch mit ihren Steuern den Standort Deutschland unterstützen wollen.

www.standortdeutschland.org

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