Ein Blick hinter die Kulissen

Kabelsalat & Co.

Ausgabe September 5|2009

Und dann hat man den Salat

Unser Gastautor Siegfried Frankenstein blickt hinter die Kulissen respektive unter die Schreibtische deutscher Behörden und findet neben Wollmäusen so einiges, das es zu entstauben oder entwirren gilt, um das Image der „Amtsschimmel“ aufzupolieren.

In regelmäßigen Abständen werden durch Behörden Anstrengungen unternommen, die amtlichen Schreiben zu „entstauben“ und für den Normalbürger lesbarer zu gestalten. Erreichen möchte man insbesondere eine positivere Außenwirkung und ein insgesamt besseres Image.
Diese Aktivitäten sind im Ergebnis oftmals sehr durchwachsen, aber trotzdem löblich. Dieses ist aber nur eines der vielen Betätigungsfelder, wo seitens der Behörde Handlungsbedarf besteht.
Besucht man eine Behörde, so findet man sich in der Regel zunächst in einem Anmeldebereich, Bürgerbüro, Kundenzentrum oder Antragsstelle wieder. Aber wie auch immer diese Bereiche heißen mögen, man trifft zunächst auf einen Behördenmitarbeiter, der das Anliegen an seinem Schreibtisch entgegennimmt.

„Nicht selten werden bei diesem Kabelsalat Rückschlüsse auf die Arbeitsweise der Behörde gezogen.“

Hier ist man dann nicht selten überrascht und geschockt, wenn man das Kabelwirrwarr  auf und unter dem Schreibtisch entdeckt, und froh, wenn man nicht gleich auf eine 6-fach-Steckdosenleiste tritt. Nicht selten werden bei diesem Kabelsalat dann aber auch Rückschlüsse auf die Arbeitsweise der Behörde gezogen. Motto: So wie das hier aussieht, so arbeiten die wohl auch. Da können vorher noch so schöne bürgerfreundliche Schreiben verschickt werden.
Aber es ist nicht so, als ob man sich bei der ordnungsgemäßen Gestaltung von Arbeitsplätzen in einer Behörde nicht Gedanken machen würde. Vorschriften und Weisungen gibt es da genug und Arbeitssicherheit sowie Arbeitsschutz sind ja auch Arbeitgeberaufgaben.
Vor Einrichtung und Ausstattung von Bildschirmarbeitsplätzen werden durch Begutachtungsgremien (z.B. IT-Personal, Technischer Berater, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Personalrat, Betriebsarzt, Mitarbeiter der Beschaffungsstelle) eingehende Begehungen durchgeführt.
Hier sind dann in speziellen Bewertungsformularen dutzende von Fragen zu beantworten.

Ziel ist es, optimale Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu gewährleisten.
Hierbei stehen insbesondere im Mittelpunkt:

• Reflexionsfreie Aufstellung des Monitors
• Optimale Höhe der Tastatur
• Ausreichende Arbeitsfläche des Schreibtisches und
   ggf. Möglichkeit zur Höhenverstellung
• Drehstuhl, der dynamisches Sitzen ermöglicht
• Angemessene, blendfreie Beleuchtung

Aber was passiert nun eigentlich mit den Kabeln für Monitor, Drucker, Maus, Telefon, Rechenmaschine, Schreibtischlampe etc. – Kabel die nicht selten meterlang oder aber zu kurz sind. Optimal wäre nunmehr natürlich die Unterbringung in einem ausreichend bemessenen Kabelkanal/Kabelwanne des vorhandenen Schreibtisches oder in Kabelboxen.
Bloß nun zeigt sich das ganze Problem. Wer ist dafür zuständig – wer macht es? In der Weisungslage  wird man jetzt auch nicht fündig werden.

Von den Mitarbeitern der Lieferfirma der Büromöbel wird und darf man hier keine große Hilfe erwarten. Sie dürfen sich ja nicht an der Behörden-Hardware vergreifen. Das IT-Personal fühlt sich für die Verkabelung nicht zuständig oder hat dafür keine Zeit.
Bleiben noch die Mitarbeiter aus der Beschaffungsstelle. Die verfügen aber selten über die erforderliche und notwendige Erfahrung sowie das technische Know-how.

Somit ist der Kabelsalat mit allen sich daraus ergebenden Problemen vorprogrammiert.
Herumliegende Kabel stellen aber ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko dar und sind nicht selten Stolperquellen für Kunden und Mitarbeiter. Auf die Gefahr, dass Gegenstände vom Schreibtisch gerissen werden können, muss nicht gesondert hingewiesen werden.

Nicht unerwähnt bleiben darf außerdem die Tatsache, dass die unsachgemäße Verlegung von Elektrokabeln ebenfalls eine erhöhte Brandgefahr bedeutet.
Vergessen darf man aber auch nicht das Reinigungspersonal, das die Staubnester an und unter den Schreibtischen gerne beseitigen würde, sich aber an das Kabelwirrwarr aus den verschiedensten Gründen einfach nicht herantraut.
Da man das Kabelchaos in vielen Behörden oftmals selbst nicht in den „Griff bekommt“, könnte man das Problem vielleicht durch einen externen Dienstleister lösen. Das kostet zwar Geld, aber die Vorteile liegen ja auf der Hand.

www.siegfriedfrankenstein.de

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