Die Städte werden „grüner“

Papieratlas: Freiburg auf dem 1. Platz

Ausgabe November 8|2011

Gewinner des Papieratlas-Städtewettbewerbs 2011 ist Freiburg als „Recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands“, die erstmals ausschließlich Recyclingpapier in Verwaltung und Schulen verwendet.

Als die „Besten der Besten“ wurden Bonn und Essen ausgezeichnet, die zum wiederholten Male ihren Spitzenplatz behaupten konnten. Leipzig wurde mit der höchsten Steigerungsrate „Aufsteiger des Jahres“. Bei den Millionenstädten liegt Berlin vorn, dicht gefolgt von München. Zehn Städte nutzen in ihren Verwaltungen bereits 100 Prozent Recyclingpapier – ein Quotenrekord. Die Städte über 100 000 Einwohner haben insgesamt ihren Recyclingpapier-Anteil um weitere vier Prozent auf nunmehr rund 70 Prozent erhöht.

„Es freut uns, dass die Beteiligung der Großstädte mit über 80 Prozent erneut außergewöhnlich hoch war und bereits über die Hälfte aller kreisfreien Städte erstmalig an dem Wettbewerb teilnahm.

Zugleich zeigt der Papieratlas eine positive Entwicklung auf: Immer mehr Städte stellen komplett auf Recyclingpapier um und nutzen damit maximale Einspareffekte bei Energie, Wasser und CO2-Emissionen“, so Michael Söffge, Sprecher der Initiative Pro Recyclingpapier. „Bemerkenswert ist, dass Städte mit Spitzenleistungen in ihren Anstrengungen nicht nachlassen und mit weiteren Initiativen auch andere Städte und Einrichtungen als Vorbild motivieren.“

Oben: Moderationsrunde der Siegerstädte (von links): Heiko Rosenthal (Bürgermeister Leipzig), Reinhardt Paß (Oberbürgermeister Essen), Dr. Ulf Jaeckel (Bundesumweltministerium), Michael Söffge (Sprecher IPR), Sönke Nissen (Geschäftsführer IPR), Ulrich von Kirchbach (Bürgermeister Freiburg) und Rüdiger Wagner (Umweltdezernent Bonn)

Die Initiative Pro Recyclingpapier führte zum vierten Mal den Städtewettbewerb in Kooperation mit dem Bundesumweltministerium, dem Deutschen Städtetag und dem Umweltbundesamt durch. Aufgrund des großen bundesweiten Interesses wurde der Wettbewerb erstmals um die kreisfreien Städte erweitert. Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, Schirmherr des Wettbewerbs sagte: „Der Papieratlas motiviert zur Umstellung auf Recyclingpapier und unterstützt Städte bei der Umsetzung einer nachhaltigen Beschaffungspolitik.“ – „Ich bin überzeugt, dass mit der Verbreitung des Papieratlas immer mehr Menschen an einer Trendwende zu einem nachhaltigen Papierkonsum mitwirken und die Siegerstädte Ansporn sind, dem gutem Beispiel zu folgen“, so Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes.

Dr. Stephan Articus, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städtetages hob hervor, dass sich der Wettbewerb jetzt auch an mittlere und kleinere Kommunen wendet. Hierdurch würden zusätzliche Impulse für eine nachhaltige Beschaffung gesetzt.

Der Papieratlas beinhaltet die Angaben von 88 Städten zum Papierverbrauch und den Einsatzquoten von Recyclingpapier mit entsprechenden ökologischen Einspareffekten. Die teilnehmenden Städte verwenden im Durchschnitt zu 70 Prozent das Papier mit dem Blauen Engel. Allein der dadurch eingesparte Strom entspricht einer Studie des Forschungsinstitus IFEU zufolge dem Jahresverbrauch von durchschnittlich rund 22 000 Drei-Personen-Haushalten.

www.papieratlas.de, www.papiernetz.de


Der Gewinner

Nachgefragt bei ... Ulrich von KirchbachUlrich von Kirchbach, Bürgermeister für Kultur, Integration, Soziales und Senioren der Stadt Freiburg

Inwieweit trägt der Preis zum positiven, nachhaltigen Image der Stadt Freiburg bei?
Umweltschutz ist der Stadt Freiburg in der Tat schon seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen. Hierzu gab es auch schon zahlreiche – auch internationale – Auszeichnungen, wie zum Beispiel Solarhauptstadt oder auch 2010 beim Wettbewerb „Bundeshauptstadt Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe“ mit dem ersten Platz. Zukunftsorientierte Politik muss sich aber auch an den einzelnen Praxisfeldern messen lassen, deshalb gehört für die Stadt Freiburg seit Jahren eine forcierte, umweltfreundliche Beschaffung (zum Beispiel das Verbot von Artikeln aus Kinderarbeit, „Fairtrade“-Einkauf) und natürlich auch die Benutzung von Recyclingpapier zum A und O.

Wie ist es gelungen, den Einsatz von Recyclingpapier in den Schulen, der Verwaltung und den Hausdruckereien durchzusetzen?
Das Vorgehen, nur noch Recyclingpapier zu nutzen, wurde sukzessive in die Verwaltung eingeführt, immer wieder mit allen Akteuren besprochen und auch von der politischen Spitze der Stadt vorgelebt. Hierzu zählte auch die Vorgabe des Bürgermeisteramtes, dass städtische Veröffentlichungen und Broschüren nur noch mit Recyclingpapier herausgegeben werden dürfen. Angesichts des klaren Vorteils von Recyclingpapier gegenüber dem Frischfaserpapier und der grünen Einstellung der Stadt Freiburg, musste in der Verwaltung und in Schulen nicht viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die Einführung von 100 Prozent Recyclingpapier zu erreichen.

Die Stadt Freiburg hat den Angaben zufolge über zehn Millionen Blatt Recyclingpapier in der Verwaltung verbraucht. Es wäre natürlich noch CO2-freundlicher, den Papiereinsatz mittelfristig weiter und deutlich zu reduzieren. Gibt es in diesem Zusammenhang Ansätze, geplante Maßnahmen oder bereits Erfolge?
Der nächste Schritt ist in der Tat, weniger Papier zu verbrauchen. Hier starten wir eine Informationsoffensive, dass vor dem Ausdrucken einer E-Mail immer überlegt werden sollte, frei nach dem Motto: „Erst den Kopf einschalten, dann den Drucker!“. Ebenso sollte jeder Mitarbeiter angehalten werden zu überlegen, ob statt eines Schreibens eine E-Mail nicht auch genügt. Hier wird in den nächsten Monaten immer weiter gezielte Informations- und Aufklärungsarbeit der Mitarbeiter der Stadt Freiburg betrieben werden.

www.freiburg.de


Der Aufsteiger

Nachgefragt bei ... Heiko RosenthalHeiko Rosenthal, Bürgermeister der Stadt Leipzig: „Aus dem Stadtrat kommt (...) eine Initiative den gesamten Schriftverkehr zwischen Rat und Verwaltung elektronisch zu realisieren.“

Inwieweit trägt der Preis „Aufsteiger des Jahres“ zum positiven, nachhaltigen Image der Stadt Leipzig bei?
Selbstverständlich gehen wir von einem positiven Beitrag zum Image der Stadt Leipzig aus. Auch wenn wir keine unmittelbare Reaktion der Öffentlichkeit erwarten können: Das Thema hat eine nicht unerhebliche Aussagekraft über die Aktivitäten der Stadt Leipzig auf dem Gebiet des nachhaltigen Denkens und Handelns. Die „Reichweite“ des Preises wird aber sicherlich davon abhängen, dass wir unsere Bemühungen einerseits aufrecht erhalten, und dies andererseits auch kommunizieren. Dafür ist es natürlich hilfreich, wenn die Öffentlichkeit beispielsweise über PR-Aktionen für das Thema sensibilisiert wird.

Wie ist es gelungen, den Einsatz von Recyclingpapier in der Verwaltung und den Hausdruckereien durchzusetzen?
Neben den bereits seit Jahren geführten Gesprächen mit den Mitarbeitern der Ämter zur verstärkten Nutzung von Recyclingpapier wurde in der Stadtverwaltung Leipzig im Jahr 2009 eine verwaltungsinterne Regelung erlassen, die vorschreibt, dass ausschließlich Recyclingpapier mit dem Blauen Engel zu verwenden ist. Ausgenommen ist nur noch Archivgut. Für die Hausdruckerei wurde diese Regelung entsprechend der speziellen Anforderungen angepasst, so dass eine Nutzung von Recyclingpapieren auch ohne Blauem Engel möglich bleibt. Dies wäre aber nur der Fall, wenn für den gewünschten Einsatzzweck kein Recyclingpapier die Kriterien des Blauen Engels erfüllt. Im Regelfall wird auch hier nach der gesamtstädtischen Anweisung auf Recyclingpapier mit dem Blauen Engel gedruckt und vervielfältigt.

Die Stadt Leipzig hat über 30 Millionen Blatt Papier verbraucht, davon sind noch 10 Prozent Frischfaserpapiere. In welchen Bereichen setzen Sie nicht auf Recyclingpapier und warum?
Nach Prüfung des Leipziger Stadtarchivs darf für Archivgut ausschließlich nach DIN 9706 zertifiziertes Papier zum Einsatz kommen. Diese Norm wird aber bisher von keinem Recyclingpapier erfüllt (DIN 6738 ist für die unbefristete Aufbewahrung von Unterlagen nicht ausreichend). Andernfalls würden unvertretbar hohe Kosten für die Bestandserhaltung der Archivalien entstehen bzw. könnte es passieren, dass dieses Papier überhaupt nicht langfristig erhalten werden kann. Somit können innerhalb der Stadtverwaltung derzeit keine 100 Prozent erreicht werden. Allerdings sind hiervon nur circa 5 bis 6 Prozent der anfallenden Unterlagen betroffen (bspw. Originalbeschlüsse des Stadtrats, Bauunterlagen, Prüfberichte des Rechnungsprüfungsamt), und für diese wird zumindest Papier mit dem FSC-Zertifikat verwendet.

Es wäre natürlich noch CO2-freundlicher, den Papiereinsatz mittelfristig weiter und deutlich zu reduzieren. Gibt es in diesem Zusammenhang Ansätze, geplante Maßnahmen oder bereits Erfolge?
In der Tat gibt es in der Stadtverwaltung Bestrebungen das Gesamtpapieraufkommen weiter zu reduzieren. So wird momentan geprüft, inwieweit der doppelseitige Ausdruck auf den Druckern und Multifunktionsgeräten der Stadtverwaltung voreingestellt werden kann. Aus dem Stadtrat kommt zudem eine Initiative den gesamten Schriftverkehr zwischen Rat und Verwaltung elektronisch zu realisieren. Es wurden und werden auch einige EDV-Verfahren durch neue Versionen abgelöst bzw. Abläufe anders gestaltet. Dabei werden Formulare, die bisher als Durchschreibesätze verfügbar waren, direkt aus dem neuen Verfahren auf das Standard-Recyclingpapier gedruckt. Inwieweit sich dies auf das Gesamtpapieraufkommen auswirkt, kann bisher nicht abgeschätzt werden.

www.leipzig.de

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