Vom Kaffee bis zum Dienstwagen: Die Kirchen wollen ihre Marktmacht für „ökofairen” Konsum nutzen. Jetzt erhob die UNESCO „Zukunft einkaufen – glaubwürdig wirtschaften in Kirchen“ zum offiziellen Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung.”
Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit knapp 400 000 Euro gefördert. Als zweitgrößter Arbeitgeber in Deutschland haben die katholische und evangelische Kirche einen großen Bedarf an Produkten und Dienstleistungen wie Lebensmittel, Papier, Energie, Dienstfahrzeuge, Büromaterial und Bürogeräte. „Wir sollten die geballte Macht, die wir als Kunden haben, nicht unterschätzen“, erklärt dazu der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Präses Alfred Buß: „Wer einkauft, entscheidet mit, wie die Weichen für die Zukunft gestellt werden: ob Wälder abgeholzt werden, ausbeuterische Löhne weiter gezahlt werden oder das Klima geschützt und Armut gelindert werden kann. Zwar brauchen soziale Gerechtigkeit, der Umwelt- und Klimaschutz bessere Rahmenbedingungen und eine mutigere Politik, die sich über Handlungsblockaden hinwegsetzt. Wichtig sind aber auch aufgeklärte Konsumentinnen und Konsumenten, die mit ihrem Einkaufsverhalten ökologisch und sozialverantwortlich handeln.“ „Leider“, ergänzt Projektleiter Klaus Breyer, Umweltbeauftragter der EKvW, „sind die Kirchen immer noch schlafende Riesen, die ihre großen Einflussmöglichkeiten auf Produkte und Produzenten vielfach noch entdecken müssen. Aber wir sind überzeugt, ‚Zukunft einkaufen’ wird dies ändern! Die Resonanz auf unser Projekt ist groß. Wir zeigen praktische Wege, wie Einkaufen für eine bessere Zukunft funktionieren kann, welche Label als Orientierung wichtig sind und wie die kirchliche Beschaffung zielgerichteter gestaltet werden kann.“ Thomas Kamp-Deister, Projektleiter auf der katholischen Seite: „Wir haben ein Managementsystem entwickelt, das Beschafferinnen und Beschaffer unterstützt, systematisch alle wichtigen Produkte und Handlungsbereiche zu erfassen – Papier, Lebensmittel, Bürogeräte, Fahrzeuge, Strom und Wärme, Möbel, Reinigung. Anschließend werden das Verbesserungspotenzial in der Einrichtung bewertet, Maßnahmen erarbeitet und diese dann in einzelnen Schritten realisiert.“ Ab Sommer will das Projekt auch eine Brücke von der Kirchengemeinde zum privaten Konsum der Kirchenmitglieder schlagen. „Dazu erarbeiten wir gerade Aktionsbausteine und Arbeitshilfen für die kirchliche Erwachsenenbildung und Jugendarbeit“, so Klaus Breyer. Angestoßen haben das Projekt die Umweltbeauftragten der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland. Kooperationspartner des Projekts sind der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), Brot für die Welt, das Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung (MÖWe) sowie die Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland.
Die nächste Ausgabe erscheint am 31. Mai mit den Themen:
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