Blauer Engel beflügelt Kirchen

Preis bei kirchlichen Beschaffern im Fokus?

Ausgabe Juli 5|2010

Eine Umfrage der FEST verdeutlicht: Bei der Beschaffung in den Kirchen zählt der Preis mehr als der Klimaschutz. Anlass genug für die Jury Umweltzeichen, den Blauen Engel auf dem Ökumenischen Kirchentag Mitte Mai in Szene zu setzen.

Volker Teichert, FEST-Forschungsleiter und Vorsitzender der Jury UmweltzeichenDie christlichen Kirchen in Deutschland kaufen jährlich Produkte im Wert von mehr als 60 Milliarden Euro ein: vom Computer, Autos und Büromöbeln bis hin zu Baumaterialien. Dem Klimaschutz nutzt diese enorme Einkaufsmacht jedoch wenig: Die Einkäufer in christlichen Verwaltungen, Gemeinden, Schulen oder Krankenhäusern schauen häufig zuerst auf den Preis – Energieverbrauch oder andere ökologische Kriterien zählen nur bei wenigen Beschaffern. Dies zeigt jetzt eine Umfrage der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST). „Die Kirchen sollten ab sofort auf den Blauen Engel setzen, das neue Klimaschutzzeichen des Bundesumweltministeriums“, fordert FEST-Forschungsleiter und Vorsitzender der Jury Umweltzeichen Volker Teichert auf dem Ökumenischen Kirchentag in München. „Der Blaue Engel kennzeichnet rund 11 500 klima- und umweltfreundliche Produkte und kann den Missstand in der kirchlichen Beschaffung am schnellsten und effektivsten überwinden“. Die Befragung zeigt, dass die Kirchen und Diakonien auch in Zeiten des Klimawandels nach herkömmlichen Mustern einkaufen. Die Einkaufsabteilungen fordern eine einfache Informationsgewinnung und gute Vergleichbarkeit von Produkten.

Dies sei beim Einkauf ökologischer und fairer Produkte wegen der Komplexität der Kriterien jedoch häufig nicht möglich. Der Blaue Engel könnte diese Prozesse deutlich vereinfachen und den Informationsaufwand bei energieeffizienten Produkten deutlich verringern, so die Hoffnung. Das Klimaschutzzeichen kann bereits für besonders energiesparende PCs, Monitore, Notebooks, Netbooks, Drucker (bereits über 500 Modelle), DECT-Telefone oder Espressomaschinen beantragt werden. Dabei ist der Energieverbrauch nicht das einzige Kriterium für den Blauen Engel. Ebenso werden Umwelt-, Gesundheits- und Gebrauchseigenschaften bewertet. Mit einer umweltfreundlichen Beschaffung können die Kirchen das Klima schützen und dabei mittelfristig oft sogar Kosten sparen. Über die gesamte Lebensdauer des Produktes hinweg betrage die Ersparnis eines Blauen Engel-Druckers 830 Euro gegenüber einem konventionellen Gerät und produziere dabei 1,2 Tonnen weniger CO2 pro Jahr, so die Info der Jury Umweltzeichen.

Der Klimaschutz ist nur ein Schwerpunkt des Blauen Engel. Er steht auch für den Schutz der Gesundheit, der Ressourcen und des Wassers. Welchem Schutzziel ein Produkt entspricht, erkennt man am jeweiligen Zusatz im Logo des Blauen Engel. Mit schadstoffarmen Tapeten und Möbeln bis hin zu Büromaterial aus Recyclingpapier hilft der Blaue Engel dabei, die Verwaltung kirchlicher Einrichtungen nachhaltig zu gestalten.

Zurzeit gibt es 11 500 Blauer Engel-Produkte von rund 1050 Unternehmen in 90 verschiedenen Produktgruppen. Nur die aus Umweltsicht besten Waren und Dienstleistungen einer Produktgruppe erhalten den Blauen Engel. Für Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit sorgt die Jury Umweltzeichen, das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt und RAL gGmbH. Mitglieder der Jury Umweltzeichen sind BUND, NABU, BDI, HDE, DGB und die Kirchen, Stiftung Warentest, vzbv, der Deutsche Städtetag und die Bundesländer.

www.blauer-engel.de

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